Erst schimpfte WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli in Silverstone – dann raste er zur Pole Position für den Grand Prix von Großbritannien. «Ich war etwas gestresst, weil ich im letzten Lauf nie gerne als Erster rausfahre. Aber die letzte Runde war sehr sauber. Es hat alles gepasst, obwohl es wegen des Windes schwierig war», sagte Antonelli nach seiner fünften Pole in dieser Saison, mit der er seine Mini-Durststrecke von zwei Grand Prix ohne Sieg beenden will.
Der WM-Spitzenreiter, der zuvor schon den Sprint gewonnen hatte, musste in der letzten K.-o.-Runde als Erster auf den Asphalt – und lieferte ab. In 1:28,111 Minuten verwies der erst 19-jährige Italiener den überraschend starken Charles Leclerc im Ferrari (+0,175 Sekunden) auf den zweiten Platz. Auf dem dritten Rang landete im zweiten Ferrari Lokalheld Lewis Hamilton (+0,347 Sekunden), der den Großen Preis von Großbritannien schon neunmal gewinnen konnte.
Antonelli muss sich gegen Ferrari wehren
«Kimi fuhr wieder in einer eigenen Liga. Dass er es auf einer Runde hinbringt, ist beeindruckend», resümierte Mercedes-Teamchef Toto Wolff zufrieden. Selbst wenn George Russell nur Vierter wurde, stand damit auch in der neunten Qualifikation des Jahres ein Silberpfeil ganz vorne.
«Die Pole nach Hause zu holen, ist sehr befriedigend», meinte Antonelli, der allerdings im Grand Prix am Sonntag (16.00 Uhr/Sky) von Anfang an viel Gegenwehr erwarten muss: «Das wird sicher nicht einfach, ich habe zwei Ferraris hinter mir, und die werden sicher zusammenarbeiten.»
Nico Hülkenberg schaffte es nicht unter die Top Ten. Nach Rang 13 im Sprint kam der Audi-Pilot in der Qualifikation ebenfalls nicht über Position 13 hinaus und wurde von seinem brasilianischen Teamkollegen Gabriel Bortoleto (11.) geschlagen.
Im Sprint musste Antonelli etwas Geduld beweisen. In der achten von 17 Runden über 100 Kilometer zog der Italiener aber an Pole-Mann Hamilton vorbei. Im Ziel hatte Antonelli 2,7 Sekunden Vorsprung auf den Briten und gewann das erste Sprint-Rennen seiner noch jungen Formel-1-Karriere.
Verstappen beklagt «Desaster»
«Sie waren in ihrer eigenen Liga», zollte McLaren-Geschäftsführer Zak Brown dem Duo Respekt. Weltmeister Lando Norris als Dritter war im McLaren 9,7 Sekunden langsamer als Antonelli.
Red-Bull-Star Max Verstappen landete nur auf dem sechsten Rang. «Wir waren viel zu langsam», befand der Niederländer zerknirscht. 16,5 Sekunden fehlten ihm auf die Spitze.
In der Qualifikation lief es für Verstappen nur eine Woche nach seinem hervorragenden zweiten Platz in Österreich auch nicht rund. «Der Motor reagiert nicht normal», klagte der 28-Jährige und äußerte zum Ende des zweiten K.o.-Abschnitts: «Was für ein Desaster, unglaublich.» Verstappen musste sich mit einem frustrierenden siebten Platz begnügen.
Das erste Mal hielten die britischen Fans den Atem in der ersten K.-o.-Runde der Qualifikation an. Da schlitterte der Engländer George Russell in Kurve sieben ins Kiesbett und touchierte leicht die Streckenbegrenzung. Der WM-Dritte konnte seinen Wagen aber selbstständig in die Garage steuern und die Zeitenjagd wieder aufnehmen.
Russell wechselt den Sitz
«Das war merkwürdig», sagte Russell, der an dieser Stelle noch nie blockierende Räder erlebt habe. Mercedes-Teamchef Wolff schaute in der Box verblüfft, Konzernchef Ola Källenius schüttelte den Kopf. Russell schaffte es locker in den letzten K.-o.-Abschnitt, wechselte vorher aber noch seine Sitzschale. Auf den letzten Kilometern der Qualifikation hatte aber auch er keine Chance gegen Antonelli.
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