Die Hitzewelle hat Spuren hinterlassen. In Deutschland wurde nicht nur geschwitzt und geschimpft – sondern auch viel Wasser verbraucht. Nun befürchten manche Regionen, dass das Wasser knapp wird. Deshalb gelten fortan vielerorts Sparmaßnahmen. München etwa schränkt den Verbrauch ein. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Allgemeinverfügung dürfen Bewohner private Pools und Springbrunnen nicht mehr befüllen. Den Rasen bewässern, Wasser aus Seen und Flüssen abpumpen, das Auto außerhalb von Waschanlagen reinigen: Auch das ist bis zum 1. August verboten. Wer gegen die neuen Regeln verstößt, muss mit Bußgeldern rechnen. Zuletzt hat die Stadt mehr als 360 Millionen Liter pro Tag verbraucht. Durchschnittlich lag der Wert bei 300 Millionen Liter.
Überdies haben zahlreiche Kommunen untersagt, Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen zu entnehmen – darunter Darmstadt, Wiesbaden, Fulda, Kassel und Gießen. Das Gebot der Stunde lautet: sorgsam mit dem Wasser umgehen. In der Praxis heißt das, auf den Wasserverbrauch etwa beim Abwasch, beim Duschen und der Gartenbewässerung zu achten. Droht eine Wasserknappheit? Und wie steht es um das Grundwasser und die Trinkwasserqualität in Deutschland?
Von Mitte Mai bis Ende Juni lagen die Temperaturen hierzulande bei mehr als 30 Grad, mancherorts sogar über 40 Grad. Die Hitze traf auf bereits trockene Böden. Doch der Leiter des Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, Andreas Marx, räumt gleich mit einem „Denkfehler“ auf: „Es hat nichts mit Hitzewellen zu tun, dass wir jetzt Niedrigwasser in Deutschland haben. Wir bringen Hitze, Trockenheit und Dürre immer sofort mit Wasser zusammen, aber das ist überhaupt nicht das Problem.“ Ausschlaggebend sei, dass es in den vergangenen acht Monaten weniger geregnet habe und der letzte Frühling „extrem trocken“ gewesen sei.
„Stresssituation“ in der Grundwasserbewirtschaftung
Von dieser Dürre sind vor allem der Süden und der Osten Deutschlands betroffen. Laut einer Analyse des Forschungszentrums Jülich (FZJ) soll sich diese Entwicklung im Sommer bundesweit fortsetzen. Die Werte der Dürresommer 2018, 2019, 2020 und 2022 könnten übertroffen werden. „Durch das trockene hydrologische Winterhalbjahr 2026 ist auch die Erneuerung der Grundwasserressourcen unterdurchschnittlich geblieben“, erklärt der Hydrologe Stefan Kollet gegenüber dem Science Media Center. Das bedeute: In diesem Jahr werde sich die „Stresssituation“, in der sich die Grundwasserbewirtschaftung seit vielen Jahren befinde, verlängern.

Ein Blick auf die GRUVO-Karte (Bundesweite Grundwasserstände und Vorhersagen) zeigt: Die Grundwasserstände sind in rund der Hälfte der abgebildeten Messstellen niedrig oder sehr niedrig, während sich die übrigen Wasserstände im normalen Bereich befinden. Diese Situation werde sich in den kommenden Monaten nicht entspannen, erklärte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf F.A.Z.-Anfrage. In den vergangenen 30 Jahren habe sich die Grundwassernutzung um 23 Prozent reduziert: von 7,8 Milliarden Kubikmeter auf rund sechs Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Dennoch sei Deutschland nach wie vor ein grundwasserreiches Land. „Die Grundwasservorkommen variieren mengenmäßig regional und zeitlich, grundsätzlich und auf das gesamte Bundesgebiet bezogen ist Grundwasser aber nicht knapp“, so die Behörde, die im Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt ist.
Zwar sind die Grundwasserstände im vergangenen Winter wie üblich gestiegen, jedoch weniger stark als im langjährigen Durchschnitt. Zudem war das Frühjahr 2026 insgesamt niederschlagsarm, mit nur etwa 70 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Laut Marx deutet ein niedriger Grundwasserstand auf Probleme in den Ökosystemen hin: „Fische sterben, Flüsse trocknen aus, Stress in den Wäldern, auch die Baumgesundheit geht zurück.“ In Deutschland ist nur jeder fünfte Baum gesund. Nach 2018 sind mehr als 800.000 Hektar Waldfläche durch Dürre verloren gegangen. Außerdem beeinträchtigten die niedrigen Pegelstände an der Donau, am Rhein und an der Elbe die Schiffsfahrten. „Das heißt, dass für alle die Fracht teurer wird.“ Und für den Gesamtboden reichten kurze nasse Phasen generell nicht aus, um die Dürre aufzulösen, hält das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung fest.
Müssen sich Verbraucher auf eine Wasserknappheit vorbereiten?
Trockenheit und Hitze tragen zur bestehenden Niedrigwassersituation bei, wie die Bundesanstalt für Gewässerkunde schreibt. Die Bundesregierung hat auf diese Entwicklung reagiert und am Mittwoch ein bundesweit einheitliches Informationssystem für Niedrigwasser vorgestellt. Die neue Plattform mit dem Namen NIWIS (Niedrigwasserinformationssystem) soll einen Überblick über die aktuelle Lage bei Flüssen und Grundwasser geben und so die Vorsorge verbessern.
„Wir haben in Deutschland in den letzten 25 Jahren 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren“, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider. Wasserknappheit müsse daher früher erkannt werden. „Die Folgekosten von Wasserknappheit sind erheblich“, hob der SPD-Politiker hervor. Er verwies auf Studien, wonach bis 2050 ohne Gegenmaßnahmen volkswirtschaftliche Schäden von 625 Milliarden Euro oder rund 25 Milliarden Euro jährlich entstünden. Darin eingerechnet seien Ernteausfälle, steigende Wasserpreise und unterbrochene Lieferketten bei Niedrigwasser.
Gleichwohl geben Fachleute auch Entwarnung. Wenn aktuell von Wasserknappheit gesprochen werde, dann sei damit „eine technische Herausforderung“ gemeint, nimmt die BGR an. An besonders heißen Tagen steige die Nachfrage nach Wasser rasant. Dieser Nachfrage könnten manche Versorger nicht sofort nachkommen, weil sie das Rohrwasser nicht zeitig aufbereiten könnten oder weil es zu Druckabfällen im Netz komme. „In der Regel ist aber nicht plötzlich kein Wasser mehr vorhanden“, bemerkt die Behörde.

Auch Marx sieht die Gefahr, dass in privaten Haushalten Wasser nicht mehr aus dem Wasserhahn kommt, als „extrem gering“ an. Die Wasserversorgung speise sich aus unterschiedlichen Grundwasserkörpern: aus Talsperren, Flüssen, Uferfiltration. Das seien „sehr viele unterschiedliche Quellen“, die auch von verschiedenen Zeithorizonten abhängen. Dennoch komme die technische Infrastruktur „an ihre Grenzen“: „Es wird für die Wasserversorger aufwendiger, das Wasser aufzubereiten.“ Thomas Riedel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wasserforschung (IWW) geht davon aus, dass die Wasserversorgung in den meisten Kommunen „problemlos“ weiterlaufen werde. Die Sparmaßnahmen hätten aber „ein Bewusstsein für die aktuelle Lage geschaffen“, sagt er der F.A.Z.
Trinkwasserqualität bei hohen Temperaturen
Nicht nur die Ungewissheit, ob die Wasserversorgung gesichert ist, beschäftigt viele Menschen. Auch die Trinkwasserqualität steht seit der Hitzewelle infrage. Ende Juni warnte das Gesundheitsamt im brandenburgischen Kurort Buckow vor Keimen im Leitungswasser. Coliforme Bakterien hatten sich auf das Versorgungsnetz verteilt. Sie können unter anderem Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen oder Durchfall verursachen. Deshalb hat das Gesundheitsamt des Landkreises Märkisch-Oderland ein „Abkochgebot für das Trinkwasser“ angeordnet. Bislang wurde lediglich empfohlen, das Wasser vor der Verwendung abzukochen. Ältere Menschen, Schwangere und Kleinkinder sollten die Vorsichtsmaßnahmen „konsequent beachten“.
Zwar habe sich die Situation in der Kleinstadt mit rund 1500 Einwohnern verbessert, schreibt das Gesundheitsamt in einer späteren Stellungnahme. „Die aktuellen Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch, dass weiterhin vereinzelt Beanstandungen festgestellt wurden.“ Ähnliche Fälle gab es in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Das Bundesgesundheitsministerium teilte der F.A.Z. mit, dass es sich dabei um „Einzelfälle“ handele: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich die Qualität des Trinkwassers durch die akute Hitzewelle verschlechtert hat.“ Und das Umweltbundesamt betont auf F.A.Z.-Anfrage: „Trotz der anhaltenden Trockenheit haben wir in Deutschland keine Trinkwasserknappheit.“
Laut einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) spielt die Temperatur des Grundwassers eine entscheidende Rolle für die Wasserqualität. Die erhöhten Temperaturen können „im oberflächennahen Boden und im Grundwasser kritische Schwellenwerte in den Wasserverteilungsnetzen überschreiten“, heißt es darin. Erwärmt sich das Wasser in den Rohrleitungen, hat das Folgen. Krankheitserreger wie Legionellen breiten sich aus, vor allem bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Die Keime können Lungenentzündungen und Infekte verursachen. Damit sich diese Bakterien nicht verbreiten, sollte eine Temperatur von 60 Grad in Warmwasserspeichern und 55 Grad an den Entnahmestellen für Trinkwasser nicht unterschritten werden. Auch schädliche Stoffe wie Arsen oder Mangan können sich im Grundwasser anreichern.
Andreas Marx erläutert, dass die Wasserleitungen hierzulande mindestens einen Meter tief verlegt seien, sodass die Temperaturen niedrig seien und es damit keine Probleme gebe. Die Hitzephase stelle Wasserversorger zwar vor Herausforderungen, aber als bekennender Leitungswassertrinker bekräftigt er: „Wir haben nach wie vor extrem sauberes Trinkwasser.“
