Der britische Billigflieger easyJet will sich einer Übernahme durch den US-Investor Castlelake grundsätzlich nicht mehr in den Weg stellen. Die Fluggesellschaft stimmte dem fünften Übernahmeangebot der Amerikaner »im Grundsatz« zu, wie beide Unternehmen in London mitteilten. Dabei bietet Castlelake nun 6,90 britische Pfund je Aktie, womit easyJet mit 5,2 Milliarden Pfund (knapp 6,1 Milliarden Euro) bewertet wird.
Die Billigfluglinie hatte alle vorigen Offerten abgelehnt. Castlelake nutzte jedoch die Möglichkeit, nachzubessern. Der US-Investor stockte sein Angebot auf. Der nun gebotene Preis von 6,90 Pfund entspricht einem Aufschlag von 73 Prozent auf den Schlusskurs vom 29. Mai, als das Interesse des Investors erstmals öffentlich wurde.
Der easyJet-Verwaltungsrat teilte mit, er sei geneigt, den Aktionären zu empfehlen, das Angebot anzunehmen. Castlelake hat jetzt bis zum 3. August Zeit, ein verbindliches Angebot vorzulegen.
EasyJet wegen Start- und Landerechten schon länger Übernahmeziel
Da Castlelake ein US-Unternehmen ist, kann es keine Mehrheitskontrolle über eine europäische Fluggesellschaft übernehmen und benötigt deshalb Partner. Nach EU-Recht müssen Fluggesellschaften, die in der Staatengemeinschaft operieren, mehrheitlich im Besitz von EU-Bürgern sein und von diesen kontrolliert werden. Castlelake will deshalb lediglich 49 Prozent an der Gesellschaft halten, die easyJet übernehmen soll. Die restlichen Anteile sollen an den ehemaligen easyJet-Manager und Luftfahrtmanager Peter Bellew sowie den Branchenexperten Mark Breen gehen – beide sind EU-Bürger. Bellew hatte easyJet 2022 abrupt verlassen.
Zu den attraktivsten Vermögenswerten von easyJet zählen eine Flotte moderner Flugzeuge des Typs Airbus A320 sowie Landerechte in London, Paris, Mailand und Genf. Das Unternehmen gilt deshalb schon länger als Übernahmeziel. Größter Anteilseigner des Unternehmens ist die Familie des Gründers Stelios Haji-Ioannou mit einer Beteiligung von 15,3 Prozent. Castlelake ist ein bedeutender Investor in der Luftfahrtbranche. Das Unternehmen verwaltet Vermögenswerte von rund 38 Milliarden US-Dollar. Die Branche kämpft weltweit mit hohen Treibstoffkosten und Margendruck infolge des Irankriegs.
