
Wenige Tage bevor in Los Angeles das erste Spiel der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten stattfindet, droht dem Internationalen Fußballverband FIFA ein Streik von Arbeitern im Stadion. Mitglieder der Gewerkschaft „UNITE HERE Local 11“, die rund 2000 der Arbeiter im Catering des SoFi Stadium in Los Angeles vertritt, sollen am Donnerstag und Freitag über einen möglichen Streik abstimmen.
Die Verhandlungen mit dem Cateringbetreiber „Legends Global“ und der FIFA stockten, erklärte die Gewerkschaft am vergangenen Freitag. Es gehe dabei nicht nur um ökonomische Fragen, die Arbeiter sorgten sich auch um ihre Sicherheit, sagte Kurt Petersen, der Ko-Präsident der Gewerkschaft, der F.A.Z.
Schon Anfang Mai hatte die Gewerkschaft beim Generalstaatsanwalt von Kalifornien eine Beschwerde über den Akkreditierungsprozess der FIFA eingereicht. Die FIFA frage in diesem Prozess nicht nur nach sensiblen persönlichen Informationen wie dem Geburtsland oder der Sozialversicherungsnummer, sie behalte sich außerdem vor, diese Daten an „nationale Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden“ weiterzugeben, und damit auch an die Einwanderungsbehörde ICE.
„Viele unserer Mitglieder sind Einwanderer, und es gibt viele lateinamerikanische Mitglieder“, sagte Petersen. Der Akkreditierungsprozess der FIFA bringe die Arbeitnehmer „in eine ausweglose Situation: Entweder beantragen sie die Akkreditierung nicht und bekommen kein Gehalt, oder sie gehen das Risiko ein, dass ihre Daten gestohlen oder weitergegeben werden.“
Es sei „schockierend, dass die FIFA gerade jetzt mit der Trump-Regierung zusammenarbeitet“. Das Vorgehen unterscheide sich erheblich von dem bei anderen Großveranstaltungen wie dem Superbowl. Die Gewerkschaft fordert von der FIFA zudem, öffentlich zu erklären, dass ICE-Beamte bei den WM-Spielen „keine Rolle“ spielen werden.
FIFA beruft sich auf „bewährte Verfahren“
Die FIFA schrieb auf F.A.Z.-Anfrage, man führe „in Übereinstimmung mit den bewährten Verfahren für internationale Großveranstaltungen“ und in Abstimmung mit den Regierungen der USA, Mexiko und Kanada „Namensüberprüfungen“ durch, um die Sicherheit aller Beteiligten zu erhöhen. Die erhobenen Daten würden „gemäß den geltenden Datenschutzgesetzen verarbeitet und von der FIFA gelöscht, sobald sie für die Entscheidung über Anträge auf akkreditierten Zugang nicht mehr benötigt werden“.
Abgeschlossen ist der Akkreditierungsprozess der Angestellten Petersen zufolge kurz vor dem ersten WM-Spiel, der Begegnung der Gastgeber gegen Paraguay am 12. Juni (13. Juni, 3 Uhr MESZ), bislang nicht. „Die FIFA ist ein Desaster“, sagte er. Manche Mitglieder würden akkreditiert, andere nicht, es herrsche „völlige Verwirrung“. Petersen kritisierte außerdem die Prioritäten des Weltverbandes.
„In den letzten Tagen hat die FIFA einige der Arbeiter geschult, und sie konzentrieren sich doch tatsächlich auf das Schuhwerk“, sagte Petersen. „Adidas ist offenbar der offizielle Sponsor. Sie haben den Arbeitern klargemacht: Ihr müsst eine bestimmte Farbe tragen, und es muss Adidas sein. Sie kümmern sich um das Schuhwerk, aber bei Dingen wie Akkreditierung, Sicherheit, dem Teilen von Informationen – da geht es weniger diszipliniert zu, eher willkürlich.“ Die FIFA kommentierte etwaige Vorgaben zur Schuhwahl der Arbeiter auf F.A.Z.-Anfrage nicht.
