Würdigung für große Europäer: Im Saarland erinnern künftig zwei Straßen an den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (1930-2017) und den ehemaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand (1916-1996). Bei einem Festakt mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) in Saarlouis wurden die Straßenschilder feierlich enthüllt. Besonderen Symbolwert hat, dass beide Straßen in der Mitte einer Brücke über der Saar aufeinandertreffen.
«Helmut Kohl und François Mitterrand liebten die Freiheit, und sie wollten den Frieden, aus ganz unterschiedlichen politischen Richtungen kommend», sagte Merz. Aber sie hätten gewusst, dass es Freiheit und Frieden nur gäbe, wenn er geschützt werde. «Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen: Dieser Satz bleibt unverändert richtig», betonte der Kanzler und zitierte den Dichter Friedrich Hölderlin: «Zugleich sehen wir in diesen Monaten einmal mehr: Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.»
Zwei Namen, eine Brücke
Der Christdemokrat Kohl war von 1982 bis 1998 Kanzler, der Sozialist Mitterrand von 1981 bis 1995 Präsident. Ihr Händedruck vor dem Beinhaus von Douaumont bei Verdun im September 1984 gilt als wichtiges Zeichen der Aussöhnung zwischen ehemaligen Feinden. Bevor jedoch Kohl und Mitterrand in Frankreich Geschichte schrieben, machten sie im Saarland Politik: Beide trafen sich im Mai 1984 in Saarbrücken zu Gesprächen über Europa und die Erleichterung des Grenzverkehrs.
Nur wenige Wochen später unterzeichneten Deutschland und Frankreich in Saarbrücken das nach der Stadt benannte Abkommen über den schrittweisen Abbau der Grenzkontrollen. Die Vereinbarung ermöglichte zunächst, die Grenze bei langsamer Fahrt und meist nur noch mit einer Sichtkontrolle zu passieren. Ein Jahr später vereinbarten Deutschland, Frankreich und drei weitere Staaten im luxemburgischen Schengen den schrittweisen Abbau der Grenzkontrollen.
Wo ihre Wege zusammenlaufen
Saarlouis hatte bereits 2022 als erste Stadt im Saarland eine Straße nach Kohl (CDU) benannt. Der Stadtrat beschloss vor kurzem, einen bislang unbenannten Straßenabschnitt künftig Mitterrand zu widmen. Die Rue François Mitterrand beginnt im Stadtteil Roden und mündet stadteinwärts in die Helmut-Kohl-Straße. Sie treffen in der Mitte der nach Bundespräsident Gustav Heinemann (1899-1976) benannten Brücke aufeinander.
Mitterrand und Kohl erhielten 1988 gemeinsam den Internationalen Karlspreis. Die Jury würdigte damit ihre Verdienste um die europäische Einigung und die deutsch-französische Zusammenarbeit.
Einst Feindesland, heute Nachbarschaft
Kaum ein anderer Ort steht so sinnbildlich für die wechselvolle deutsch-französische Geschichte wie das Saarland: Nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst unter französischer Kontrolle, wurde es 1957 Teil der Bundesrepublik. Die besondere Nähe zu Frankreich ist bis heute Alltag: Frankreich ist ein zentraler Wirtschafts- und Kooperationspartner, täglich überschreiten Menschen die Grenze zum Arbeiten, Einkaufen oder in ihrer Freizeit.
Politisch trennten Kohl und Mitterrand Welten, in der Europapolitik fanden der Christdemokrat und der Sozialist dennoch über Jahre zusammen. Auch in der entscheidenden Phase der deutschen Einheit blieb die Beziehung belastbar: Anfang 1990 warb Kohl bei Mitterrand persönlich um Unterstützung für den Vereinigungsprozess – und bekam sie.
Auch der jetzige Bundeskanzler hat eine Verbindung zum Saarland: Friedrich Merz absolvierte sein Referendariat in Saarbrücken, arbeitete dort als Richter am Amtsgericht – und seine Frau Charlotte stammt aus dem Bundesland. Ins Goldene Buch der Stadt Saarlouis schrieb Merz am Montag unter anderem: «Nur zusammen in Europa sind wir stark.»
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