
Alpha Centauri ist ein Doppelsternsystem aus zwei sonnenähnlichen Sternen und abgesehen von dem Zwergstern Proxima, der das Duo sehr weitläufig umkreist, ist es das uns nächstgelegene Sternsystem. Ob dort Planeten kreisen, ist unbekannt, aber durchaus möglich. Leider sind es bis dorthin 4,4 Lichtjahre. Sonden, die man mit aktuell verfügbarer oder realistisch vorstellbarer Technik losschickte, wären Jahrzehntausende unterwegs.
Trotzdem hat der britische Unternehmer Philip Johnston nun vor, eine solche Mission auf den Weg zu bringen. Der „Fermi Explorer“ soll als Kleinmission nur 15 Millionen Dollar kosten, in drei Jahren starten und unter Einsatz eines solar-elektrischen Xenon-Triebwerks im Jahr 2043 eine Geschwindigkeit erreichen, mit der die Kapsel 15 oder 20 Jahre später das Sonnensystem in Richtung Alpha Centauri verlassen kann.
Wenn sie dort nach weiteren 77.000 Jahren eintrifft, wird von der Zivilisation, in deren Kontext Johnson und seine Mitstreiter auf diese Idee gekommen sind, nichts mehr übrig sein – auch ohne KI-Apokalypse oder andere Weltuntergänge. Die Menschheit wird dann entweder praktikablere Wege nach Alpha Centauri gefunden oder eine weniger erfreuliche Entwicklung genommen, das Projekt aber so oder so vergessen haben. Denn natürlich wird die Nutzlast von rund einem Kilogramm nicht aus wissenschaftlichen Instrumenten bestehen – es gibt keine Energiequelle, die sie derart lange einsatzbereit halten könnte.
Was soll das also? Die Antwort liegt im Namen. Auf eine Bemerkung des Physikers Enrico Fermi im Jahr 1950 geht ein triftiges Argument gegen die Existenz außerirdischer Zivilisationen zurück: Wenn es dergleichen gäbe, müssten angesichts des Alters des Universums einige davon schon so lange existieren und eine derart fortgeschrittene Technologie entwickelt haben, dass sie zumindest Sonden zu uns geschickt hätten. „Where is everybody?“, „Wo sind sie denn?“, frage Fermi ein paar Kollegen beim Mittagessen. Und so soll die nach ihm benannte Raumkapsel nun zeigen, dass es nicht daran liegt, dass solche Missionen unmöglich wären.
Das aber wissen wir schon längst. Mit den Planetensonden der Pioneer- und Voyager-Programme sowie der Mission New Horizons zum Pluto fliegen aktuell bereits fünf menschliche Artefakte auf Bahnen, die sie in den interstellaren Raum hinausführen, wenn auch auf keinen, die sie in irgendwie absehbarer Zeit an anderen Sternsystemen vorbeiführen. Die Initiatoren des Fermi Explorers scheinen also zu hoffen, ausgerechnet auf Alpha Centauri könnte sich jemand die gleiche Frage stellen wie einst Fermi. Dabei generierte die Mission allenfalls bis 2043 ein paar Schlagzeilen und sicher weniger Inspiration als ein guter Science-Fiction-Film, sagen wir Christopher Nolans „Interstellar“. Dessen Produktion allerdings war bereits 2014 mehr als zehnmal so teuer wie Johnsons interstellare Flaschenpost.
