
Es ist ein Zeichen der Wiederannäherung: Nach einem jahrelangen Streit zwischen der spanischen und mexikanischen Regierung über die koloniale Vergangenheit trafen sich Spaniens König Felipe VI. und Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum erstmals persönlich. In der Nacht zum Samstag wollten sie in Guadalajara das dritte WM-Gruppenspiel der spanischen Nationalmannschaft gegen Uruguay ansehen. Am Donnerstag hatte Sheinbaum den spanischen König bereits in Mexiko-Stadt empfangen.
Bei ihrem kurzen Treffen schüttelte Sheinbaum dem Monarchen kurz die Hand. Das mexikanische Außenministerium hob danach in einer knappen Erklärung hervor, die Zusammenkunft sei „Teil eines breiteren Kontextes intensivierter bilateraler Beziehungen und jüngster Gesten Spaniens zur Anerkennung der Bedeutung der indigenen Bevölkerung Mexikos“.
Ursprünglich wollte die mexikanische Führung, dass sich Spanien offiziell für die Eroberung Lateinamerikas entschuldigt. Das hatte Sheinbaums Vorgänger Andrés Manuel López Obrador 2019 verlangt. Sheinbaum hatte deshalb Felipe nicht zu ihrer Amtseinführung eingeladen.
Doch in den vergangenen Monaten bemühten sich beide Seiten um Entspannung. Im April war die mexikanische Präsidentin während ihrer ersten Europareise in Barcelona, wo sie auf einer Konferenz linker Parteien auch den sozialistischen spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez traf.
Zaghafte Versuche einer Entschuldigung
Im März hatte Felipe zum ersten Mal vorsichtig bei Mexiko Fehler im Zusammenhang mit der Kolonialvergangenheit eingeräumt. Bei der Eroberung habe es „viele Übergriffe“ und „ethische Kontroversen“ gegeben, sagte er. Auf spanische Verhaltensweisen könne man „aus heutiger Sicht und mit den heutigen Werten betrachtet“ nicht stolz sein. Im vergangenen November hatte sich als erstes Regierungsmitglied Außenminister José Manuel Albares ähnlich zaghaft entschuldigt.
Felipe und der Außenminister nutzten in Madrid die Ausstellung „Die Hälfte der Welt: Frauen im indigenen Mexiko“ zur Annäherung an Mexiko. Organisiert worden war sie von beiden Regierungen. Das war ein politisches Signal – besonders in Spanien, wo Albares und nun auch Felipe aus dem konservativen Lager kritisiert wurden, das mit Blick auf Lateinamerika stolz auf das spanische Erbe ist.
Die Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso (PP) reiste im Mai 2026 nach Mexiko, um dort des spanischen Konquistadoren Hernán Cortés zu gedenken.
