Der FC Augsburg ist der Effizienzmeister der Fußballbundesliga. Kein anderer Klub hat in der vergangenen Spielzeit sein Geld so gut eingesetzt: Für jeden Bundesligapunkt gaben die Augsburger knapp drei Millionen Euro aus; die anderen 14 Vereine, die den Klassenerhalt schafften und nicht in die zweite Liga abgestiegen sind, brauchten allesamt mehr.
Das geht aus der F.A.S.-Effizienztabelle hervor, die wir rechtzeitig zum Beginn der neuen Bundesligasaison an diesem Wochenende veröffentlichen. Augsburg ist für die Fugger bekannt, die sagenhaft reiche Kaufmannsfamilie aus dem späten Mittelalter. Der FC Augsburg wiederum gehört zu jenen Bundesligavereinen, in denen ein Finanzinvestor viel zu sagen hat. Die amerikanische Firma Global Football Holdings, die auch an Klubs in Dänemark, Belgien und Portugal beteiligt ist, hält 45 Prozent an der Profiabteilung des FCA.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Ob das Erbe der Fugger oder der Einfluss der Amerikaner für die Effizienz des Augsburger Fußballbetriebs den Ausschlag gab, lässt sich nur vermuten. Vielleicht lag es schlicht daran, dass der Klub nach einem verkorksten Saisonauftakt in Manuel Baum schnell einen Trainer fand, der die Mannschaft viel stärker machte als gedacht. Beziffern lässt sich der Grad der Effizienz. Mit rund 125 Millionen Euro für Personal, Abschreibungen und sonstige Betriebskosten lag der Klub auf Platz 15 der „Geldrangliste“ der Bundesliga, nur drei Vereine hatten geringere Mittel zur Verfügung. Mit diesem vergleichsweise überschaubaren Etat erreichte der Klub 43 Punkte und damit den 9. Platz in der Abschlusstabelle der Bundesliga. Der Achtplatzierte, Eintracht Frankfurt, gab je Punkt fast dreimal so viel aus. Mehr Geld je Punkt als die Frankfurter setzten übrigens nur der Absteiger aus Wolfsburg und der FC Bayern München ein, der dafür allerdings auch deutscher Meister sowie DFB-Pokalsieger wurde, während die Eintracht sich nicht einmal für den Europapokal qualifizierte.
Unter den Auf- und Absteigern fällt nicht nur der vom Volkswagen-Konzern unterstützte VfL Wolfsburg auf, der mit einem Budget von rund 250 Millionen Euro in die zweite Liga abstieg. Ähnlich sensationell war der Aufstieg der Außenseiter aus Elversberg und Paderborn, die in der zweiten Liga jeweils weniger als eine Million Euro je Punkt ausgaben. Ein weiterer Absteiger, der 1. FC Heidenheim, fällt in dieser Ausgabe der F.A.S.-Effizienztabelle aus der Betrachtung, weil der Klub sein Geschäftsjahr verändert hat und die vorliegenden Daten deshalb nicht gut vergleichbar sind. Der dritte Aufsteiger wiederum, der FC Schalke 04, kam schon in der zweiten Liga auf ein durchaus erstligataugliches Ausgabenniveau.
Aufschlussreich ist auch ein Vergleich mit dem Vorjahr. Effizienzmeister war damals Holstein Kiel, was indes ein Titel ohne größeren Wert war, weil die Nordlichter mit wenig Geld auch nur wenige Punkte holten und am Saisonende abstiegen. Die höchsten Ausgaben je Punkt hatten wie auch jetzt die Bayern, gefolgt von Borussia Dortmund und RB Leipzig. Die Leipziger wirtschafteten diesmal deutlich besser mit ihrem Geld. Auch die TSG Hoffenheim machte in dieser Hinsicht einen Sprung nach oben. Beide Klubs gaben in Summe wieder etwa gleich viel Geld aus, kamen aber auf deutlich mehr Punkte als im Vorjahr. Dagegen verschlechterte sich der Euro-Punkte-Quotient unter anderem in Mainz, Freiburg und St. Pauli erheblich. In Hamburg sogar so sehr, dass am Ende der Abstieg in die zweite Liga folgte.
Die F.A.S.-Effizienztabelle geht auf eine Idee des Marburger Wirtschaftshistorikers Christian Kleinschmidt zurück. Sie berücksichtigt die Kennzahlen der jeweils jüngsten Geschäftsberichte der deutschen Profivereine, wie sie von der Bundesliga stets während der Sommerpause veröffentlicht werden.
