Musik von der Muse
Schöner kann Abschiednehmen wohl nicht sein. Der Eiffelturm gegenüber funkelt in Gold, der Laufsteg tut es auch, wegen der vielen goldenen Kleider von Anthony Vaccarello für Saint Laurent. Und Charlotte Gainsbourg singt: „You are so much Yves Saint Laurent“.
Das Lied hat die Musikerin selbst geschrieben – für diesen Auftritt. Ein wenig Ironie steckt schon in den Zeilen, denn den Vornamen „Yves“ strich Vaccarellos Vorgänger Hedi Slimane 2012 aus dem Markennamen. Der Nachfolger Vaccarello blieb in den zehn Jahren, die er für das Haus tätig war, bei dem kürzeren Saint Laurent.
Der Geist des Gründers blieb allerdings ebenfalls. Vaccarellos Kollektion in Gold mit den bodenstreifenden Schleppen, seine womöglich letzte für Saint Laurent, ist schließlich auch sehr Yves Saint Laurent.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Vom Koffer zum Raumanzug

Zu sehen sind Reisekoffer aus den Zwanzigerjahren und die ersten Taschen von Enkelin Miuccia Prada von 1984, gefertigt aus Fallschirmnylon. Und schließlich die graue Unterwäsche für Astronauten, die bei der von der NASA geplanten Expedition zum Mond 2028 getragen werden soll. 113 Jahre nach Gründung der Marke geht es also immer noch ums Reisen.
Der Look der Pariserin wird noch ein bisschen berühmter
Die Stadt Paris hat gut zwei Millionen Einwohner. Ungefähr die Hälfte davon werden Frauen sein, und während natürlich nicht davon auszugehen ist, dass diese eine Million Pariserinnen allesamt mit ausgezeichnetem Stil gesegnet sind, hat doch eine winzige Minderheit dafür gesorgt, dass sich der Pariser Stil weltweit zur Kür im Hinblick auf das tägliche Ankleiden durchgesetzt hat. Jeans, lockeres Hemd, am besten ungebürstete Haare.

Caroline de Maigret, Charlotte Gainsbourg, Inès de la Fressange, diese Namen fallen in dem Zusammenhang häufig. Mathilde Favier war vor allem Kennern ein Begriff, aber auch die Kommunikationschefin von Dior, die häufig in Blazern, Hemden, bedruckten Röcken und viel Schmuck zu sehen war, gehörte in diesen Kreis der Pariser Stilikonen. Im August ist sie bei einem schweren Autounfall tödlich verunglückt. Jonathan Anderson widmet ihr bei Dior nun seine Kollektion und macht den Pariserinnen-Stil somit noch ein bisschen berühmter.
Leichte Stoffe bei großer Hitze

Viel Leinen gibt es bei der von Abenteurerinnen des 20. Jahrhunderts inspirierten Kollektion von Max Mara – ein idealer Stoff bei Hitze, da sich die Fasern im Gegensatz zu Baumwolle nicht so schnell vollsaugen und am Körper kleben. Das wussten schon die Weltreisenden von damals.
Was Schuhe mit Schauspielerei zu tun haben
Als Jonathan Anderson vor einem Jahr bei Dior seine erste Kollektion zeigte, waren da High Heels zu sehen, auf deren Zehenspitzen ein C auf der einen Seite zum D auf der anderen passte – Christian Dior. Und Modelle mit dicken applizierten Blüten. Die Schuhdesignerin dahinter sei mit Anderson von der spanischen Marke Loewe gekommen, wo er vorher tätig war, hieß es damals über die Entwürfe mit Witz. Jetzt ist klar, um wen es sich handelt, denn Nina Christen entwirft zwar noch immer für Dior Schuhe, aber ist auch mit eigenem Label präsent.

Die erste Überraschung bei ihrer Präsentation in Paris: Die Schuhe sind im Vergleich zu ihrer Arbeit für Dior zurückgenommener. Dort Muster und Applikationen, hier Schwarz, Schokobraun, Gold. „Schuhe sind wie Schauspielerei“, sagt Nina Christen, die unter ihrem Nachnamen arbeitet. „Als Frau schlüpft man in unterschiedliche Rollen, und ich möchte etwas für alle Gelegenheiten bieten.“ Auch im eigenen Store. Der liegt nicht irgendwo, sondern an der Rue de la Paix, Hausnummer 1. Erste Modeadresse. „Ich wollte kein Geschäft mit einer seltsamen Adresse“, sagt die Schuhdesignerin. „Christen ist eine Luxusmarke und das ist eine Luxusadresse.“
Der Büstenhalter spielt eine Hauptrolle
Eigentlich soll er nicht sichtbar sein, jedenfalls nicht für jeden. In dieser Saison ist der gute alte Büstenhalter aber der Blickfang. Prada kombiniert den Bra, wie er im Englischen deutlich eleganter heißt, zu Faltenröcken oder stülpt ihn über ein maskulines Hemd.
Leicht verrucht kommt er bei Fendi daher, wo er aus zarter Seide unter einem fast winterlichen Mantel mit Pelzkragen getragen wird. Sizilianisch aufgeladen sind die schwarzen Spitzenbustiers bei Dolce & Gabbana. Und Marni rückt den Bra in den Mittelpunkt, indem er ihn einfach in ein Kleid einnäht. So wird er vom unsichtbaren sidekick zum main character.
