
Der Hoffnungsschimmer zeigte sich gerade noch rechtzeitig: Im dritten Quartal ist der Büroflächenumsatz in Frankfurt und Umgebung um zehn Prozent höher ausgefallen als ein Jahr zuvor. Doch diese Zahl, die das Maklerunternehmen NAI Apollo kurz vor Beginn der Immobilienmesse Expo Real verbreitet hat, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Büromarkt in der Hochhausstadt in einer Krise befindet. Großabschlüsse gab es in diesem Jahr bisher kaum, das Vermietungsvolumen der ersten neun Monate blieb deutlich hinter dem von 2025 zurück. Das Maklernetzwerk GPP weist einen Einbruch um 38 Prozent aus.
Gefragt sind weiterhin vor allem hochwertige Flächen in zentralen Lagen, die zunehmend knapp werden. „Es wird der Tag kommen, an dem es nichts mehr gibt“, sagt Carsten Ape vom Maklerunternehmen CBRE. Ältere Immobilien außerhalb der Innenstadt haben es schwer, auch wenn es Mietinteressenten gibt, für die weniger die zentrale Lage als die Erreichbarkeit mit dem Auto eine Rolle spielt. 1,35 Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen laut NAI Apollo leer, etwas mehr als noch zur Jahresmitte. Die Leerstandsquote ist innerhalb eines Jahres von 10,7 Prozent auf 11,7 Prozent gestiegen.
Wo dieser zusätzliche Leerstand entstanden ist, zeigt Michael Preuße, Vermietungschef bei NAI Apollo, an einem Beispiel: Das Omegahaus am Kaiserlei, eine der größten Büroimmobilien Offenbachs, wurde in den vergangenen Jahren revitalisiert, doch für die rund 52.000 Quadratmeter Bürofläche sei bisher noch kein Nutzer gefunden worden. „Für einen Teil der leer stehenden Flächen wird eine Büronutzung auf Dauer kaum noch tragfähig sein“, sagt Preuße. Eine Trendwende sei vorerst nicht zu erwarten.
Anteil der Optimisten ist gesunken
Generell ist die Stimmung in der Immobilienbranche nicht gut. Vor der an diesem Montag beginnenden Expo Real hat die Messe München dazu Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht: Nur 25 Prozent der Befragten und damit deutlich weniger als im vergangenen Jahr beurteilen die Lage auf dem Immobilienmarkt optimistisch. Sie setzen ihre Hoffnung unter anderem in Fortschritte beim Bürokratieabbau. Vor diesem Hintergrund reisen Delegationen aus mehreren Kommunen der Rhein-Main-Region, Vertreter der Immobilienwirtschaft, Architekten und Projektentwickler zur Messe nach München und damit in die Stadt, in der anders als in Frankfurt in diesem Jahr mehr Büros vermietet wurden als 2025.
Ziel des gemeinsamen Messestands der Metropolregion ist es, auch in Frankfurt wieder Wachstum zu erzielen und das Rhein-Main-Gebiet als Standort darzustellen, der auch in Krisenzeiten für Wohnen und Gewerbe interessant ist. Frankfurt wird von Bürgermeister Nils Kößler (CDU) und Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) vertreten. Erwartet werden auch die Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos, Mainz), Gert-Uwe Mende (SPD, Wiesbaden), Hanno Benz (SPD, Darmstadt) und Maximilian Bieri (SPD, Hanau). Für die Stadt Offenbach wirbt Stadtkämmerer Martin Wilhelm (SPD), für den Landkreis Offenbach Landrat Oliver Quilling (CDU).
Mehr zu bieten als Hochhäuser
Frankfurt will zeigen, dass die Stadt auch jenseits der Hochhäuser einiges zu bieten hat. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) hat erst am vergangenen Donnerstag im Stadtparlament darauf hingewiesen, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Frankfurt seit 2025 um rund 100.000 gestiegen ist. Diese Arbeitsplätze sind nicht nur im Bankenviertel entstanden. Als Modelle für neue Arbeitswelten werden das Gewerbegebiet Gateway Gardens, das Projekt Westside auf dem Gelände des ehemaligen Industrieparks Griesheim und der Umbau des Peek-&-Cloppenburg-Hauses an der Zeil vorgestellt. Außerdem wird auf der Messe eine neue Initiative zur Kreislaufwirtschaft präsentiert. Die Region will künftig bei der Wiederverwertung von Baustoffen enger zusammenarbeiten.
Wohnungsbau zählt zu den Kernthemen der Messe. Eine zentrale Rolle spielt er unter anderem am Stand der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte/Wohnstadt. Unter anderem geht es um die Frage, ob bezahlbare Mieten ohne öffentliche Förderung überhaupt noch möglich sind und unter welchen Bedingungen neue Quartiere entstehen können. Am Stand der Metropolregion wird auch die Frage der interkommunalen Zusammenarbeit diskutiert.
Während es dabei um Zukunftsthemen geht, haben Besucher des Messestands die Möglichkeit, in Frankfurts Vergangenheit zu blicken. Mit VR-Brillen können sie einen Ausschnitt aus der immersiven Ausstellung „City of Wow“ virtuell erleben. In der Schau, die im Rahmen der World Design Capital derzeit an der Frankfurter Gutleutstraße zu sehen ist, wird die Geschichte Frankfurts multimedial inszeniert. Dafür genutzt wird das ehemalige Archivgebäude der Dresdner Bank, das in den vergangenen Jahren leer stand – wie so viele Immobilien in Frankfurt.
