Bei den schweren Erdbeben in Venezuela sind mindestens 188 Menschen getötet worden. Zudem gebe es 1.520 Verletzte und 200 Verschüttete, sagte Parlamentspräsident Jorge Rodríguez.
Rettungsteams versuchen weiterhin, Überlebende aus den Trümmern zu retten. Dutzende Menschen seien bereits lebend geborgen worden, darunter zwei verletzte Kleinkinder im Bundesstaat La Guaira, deren Mutter noch vermisst wird, hieß es in Fernsehberichten.
Zahl der Toten womöglich weit höher
Befürchtet wird, dass die Zahl der Toten noch erheblich steigen könnte. »Es würde mich nicht wundern, wenn wir nicht schon bei Tausenden oder vielleicht sogar bei Zehntausenden liegen«, sagte der Seismologe Jeffrey Park von der Universität Yale gegenüber dem Sender CNN. »Ich habe Videos von komplett in sich zusammenfallenden Wohnhäusern gesehen«, sagte er. Allein im schwer betroffenen La Guaira an der Karibikküste sind
nach Berichten des TV-Senders Globovisión mindestens 42 mehrstöckige
Gebäude eingestürzt, in der Hauptstadt Caracas rund zehn weitere.
Es werde noch wochenlang zu Nachbeben kommen, die teils eine Stärke zwischen 6,0 und 6,5 erreichen könnten, warnte Park. Sie würden keine vergleichbaren Schäden verursachen, könnten aber wegen herabfallender Trümmer gefährlich werden.
Internationale Rettungsteams bereits auf dem Weg nach Venezuela
Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez rief den Privatsektor
dazu auf, der Regierung die für die Rettungsarbeiten dringend benötigten
Bagger zu vermieten. Ihren Angaben nach sind zudem bereits Such- und
Rettungsteams aus dem Ausland auf dem Weg nach Venezuela, um sich an der
Suche nach Verschütteten zu beteiligen. Auch Deutschland bereitet Hilfe für das Land vor.
Der Einsatz der internationalen Rettungsteams soll nach Angaben des UN-Nothilfekoordinators Tom Fletcher vom UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten
(Ocha) gesteuert werden. Derzeit werde unter Hochdruck geprüft, welche Hilfe
benötigt werde, sagte Fletcher. Bereits vor den Erdbeben seien in Venezuela fast acht Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen.
THW-Team fliegt mit Hunden ins Katastrophengebiet
Für Freitagmorgen ist der Abflug von 50 Einsatzkräften des Technische
Hilfswerks (THW) vom Fliegerhorst Wunstorf aus mit einer
Bundeswehrmaschine geplant. Im Vordergrund stehe die Bergung und Rettung von verschütteten Personen aus zerstörten Gebäuden, teilte das THW mit. Zu der Schnell-Einsatz-Einheit gehörten vier Rettungshundeführer mit jeweils einem Hund.
Die 72 Stunden nach einem Erdbeben seien »ganz entscheidende Stunden. Da können wir auch noch sehr viele Menschen lebend retten«, sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner vor Abreise des Teams. Teams und Rettungshunde würden die zugewiesenen Schadensgebiete abgehen und nach Verschütteten suchen. Das THW könne dank in eigener Ausrüstung autark agieren. Die Ausrüstung reiche von Feldbetten, über Duschen, IT-Ausstattung bis hin zu einer kleinen Wasseraufbereitung und Stromerzeugung.
In der betroffenen Region wurden nach den Erdbeben Geschäfte geplündert. In Catia la Mar nördlich der Hauptstadt Caracas verließ eine
Gruppe Menschen ein ausgebranntes Lebensmittelgeschäft mit Taschen
voller Waren, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf
Beobachtungen von Reportern.
Die beiden Erdbeben der Stärken 7,2 und
7,5 hatten sich am Mittwochabend (Ortszeit) im Nordwesten Venezuelas ereignet. Die Regierung in Caracas rief den Notstand aus. Das Epizentrum des ersten Bebens mit einer Tiefe von 22 Kilometern lag westlich der Gemeinde Morón an der Karibikküste des Landes und rund 168 Kilometer von Caracas entfernt. Das stärkere Nachbeben ereignete sich in einer Tiefe von zehn Kilometern, rund 16 Kilometer von Morón entfernt.
Ob auch Deutsche unter den Opfern der Erdbeben sind, ist noch unklar. Bisher gebe es darauf jedoch keine Hinweise, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Allerdings sei die »Lage noch unübersichtlich«. In Venezuela gibt es eine niedrige dreistellige Zahl von Deutschen, die in die Krisenvorsorgeliste eingetragen seien. »Bisher gibt es keine Anfragen zu Konsularhilfe«, hieß es weiter. Vom Personal der deutschen Botschaft in der venezolanischen Hauptstadt Caracas seien alle wohlauf.
Venezuela liegt zwischen der Südamerikanischen und der Karibischen Platte. Starke Erdbeben sind in Venezuela ungewöhnlich, sie treten dort seltener auf als in anderen Teilen Lateinamerikas.
