Nach den verheerenden
Erdbeben in Venezuela schwindet die Hoffnung auf weitere
Überlebende. Da das kritische Zeitfenster von 72 Stunden nach
der Katastrophe vom Mittwoch verstrichen ist, sinken Experten
zufolge die Chancen rapide, noch lebende Menschen aus den
Trümmern zu retten. »Es gibt ein Zeitfenster von etwa drei
Tagen, danach nimmt die Wahrscheinlichkeit ab«, teilte der
Leiter des Schweizer Rettungsteams, Sebastian Eugster, mit. Dennoch
suchten die mehr als 2.600 ausländischen Helfer am Sonntag weiter
nach Verschütteten. Am Wochenende konnten noch mehrere Kinder
lebend geborgen werden.
Auch ein Vater mit seinem Sohn wurden am Sonntag in Caraballeda lebend aus den Trümmern befreit. Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, brachten
Mitglieder von US- und französischen Rettungsteams den Jungen und seinen
Vater auf Tragen von einem Trümmerberg herunter. Zahlreiche Menschen
verfolgten die Szene in dem stark zerstörten Küstengebiet nördlich der
Hauptstadt Caracas.
»In diesem Moment ist jedes Leben eine
Quelle der Hoffnung für Venezuela«, teilte die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez im Onlinedienst X mit.
Papst zeigt Anteilnahme
Papst Leo XIV. äußerte nach dem Beben sein Bedauern angesichts der
»zahlreichen Toten und Verletzten« sowie der »erheblichen Sachschäden«
und brachte nach dem Angelusgebet seine Solidarität mit den
Opfern und ihren Angehörigen zum Ausdruck.
Die Zahl der Toten stieg unterdessen auf mindestens 1.450.
Die US-Erdbebenwarte USGS schätzt, dass die Beben der Stärke 7,2
und 7,5 bis zu 10.000 Tote gefordert haben könnten. Der Chef des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha), Tom
Fletcher, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag in Genf, es würden
noch mehr als 50.000 Menschen vermisst. Eine UN-Schätzung bezifferte
den Sachschaden auf 6,7 Milliarden US-Dollar (knapp 5,9 Milliarden
Euro), was etwa sechs Prozent von Venezuelas
Bruttoinlandsprodukt entspricht. Bis zu 6,7 Millionen Menschen könnten
Berechnungen der UN-Organisation für Migration (IOM) zufolge von der
Erdbebenkatastrophe betroffen sein.
Nach Angaben der venezolanischen Regierung sind nach neuestem Stand 3.150 Menschen durch das
Unglück verletzt worden, mehr als 12.700 sind nun obdachlos.
Nach Angaben der Regierung sind 774 Gebäude eingestürzt. Am
schwersten getroffen wurde der Küstenstaat La Guaira nördlich
der Hauptstadt Caracas, wo Hunderte Gebäude einstürzten.
Oppositionsführerin Machado will nach Venezuela reisen
Die Oppositionspolitikerin María Corina Machado will nun nach Venezuela zurückkehren. Dies bestätigte die mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnete Politikerin dem US-Sender Fox News.
»Auf jeden Fall, die Zeit ist gekommen«, antwortete sie auf die Frage,
ob sie vorhabe, zurückzukehren.
»Ich werde sehr bald wieder in Venezuela
sein«, sagte Machado in dem Interview. Sie wolle nach dem Erdbeben mit dem venezolanischen Volk
zusammen sein, mit diesem trauern und einander Kraft geben. Seit Monaten
hat Machado wiederholt eine baldige Rückkehr in ihr Heimatland
angekündigt. Laut einem Bericht der New York Times hält die
US-Regierung allerdings einen solchen zeitnahen Schritt für
unangebracht.
Die Naturkatastrophe trifft Venezuela inmitten einer tiefen
Krise. Delcy Rodríguez führt die Regierung erst seit Januar,
nachdem ihr Vorgänger Nicolás Maduro nach einem US-Einsatz festgenommen worden war.
