Bei der Vorbereitung von Reden werden im Bundeskanzleramt in Einzelfällen auch KI-Anwendungen
genutzt – allerdings ausschließlich für die Recherche und nicht für die
Textproduktion. Dies teilte die Behörde dem Spiegel auf Anfrage mit. Kanzler Friedrich Merz und seinem Amtschef Thorsten Frei
(beide CDU) seien ihre Reden persönlich sehr wichtig, hieß es. »Sie
nehmen Entwürfe an, formen daraus aber eigene Texte.« Beide seien auch
bekannt dafür, ihre Reden selbst zu schreiben. »Darüber hinaus halten
Sie eine Vielzahl von Reden frei«, zitierte das Magazin aus der
schriftlichen Antwort.
Eine Sprecherin von Bundesfinanzminister und
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte zu dem Thema: »Reden und Texte
der Hausleitung werden im Bundesfinanzministerium grundsätzlich ohne
den Einsatz von KI geschrieben.« Es gebe auch eine Dienstanweisung mit Regeln, »welche KI-Systeme im BMF zu dienstlichen Zwecken eingesetzt werden können und was bei deren Einsatz zu beachten ist«.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) ließ über
sein Ministerium Ähnliches mitteilen. »Die Reden und
Debattenbeiträge des Außenministers werden nicht durch KI
erstellt. Sie werden durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
Auswärtigen Amt vorbereitet.« Zudem gab sich das Amt demnach 2024 eine KI-Charta.
KI für Recherche- und Hilfsaufgaben
Auch im Hause von Bundesarbeitsministerin (BMAS) Bärbel Bas (SPD) wird KI
genutzt. »Im BMAS bleibt das Verfassen von Reden und Texten ein Prozess
menschlicher Intelligenz, der lediglich punktuell durch Künstliche Intelligenz unterstützt wird«, schrieb eine Sprecherin dem Spiegel. KI werde dabei für Recherche- und Hilfsaufgaben ergänzend eingesetzt.
Mitte des Monats zeigte eine ZEIT Recherche, dass Bundesdigitalminister Karsten Wildberger offenbar Reden und Gastbeiträge von einer KI schreiben ließ. Das Handelsblatt hatte einen Gastbeitrag des CDU-Politikers vorerst aus seinem Angebot entfernt.
Zuvor war bereits der thüringische
Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) in die Kritik geraten, weil mehrere
seiner Reden und Gastbeiträge für Medien oder Teile davon mit Hilfe KI erstellt worden sein sollen, so etwa eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede und eine Neujahrsansprache.
