Auf der letzten Etappe über 112 Kilometer, die der Norweger Tobias Halland Johannessen gewann, brachte Mas auf dem Rundkurs in Granada sein Rotes Trikot sicher ins Ziel, nachdem ihm auf den letzten Bergetappen der viermalige Gesamtsieger Primoz Roglic aus Slowenien und der Österreicher Felix Gall nicht mehr gefährlich werden konnten.
Enric Mas: „Davon habe ich geträumt“
„Ich hatte während der gesamten Vuelta riesigen Spaß. Alles lief super, ich habe jeden Kilometer genossen“, sagte Mas und fügte hinzu: „Ich habe in all der Zeit viele schwierige Momente erlebt, aber eine Vuelta zu gewinnen, ohne zu leiden, ist unmöglich. Man arbeitet darauf hin, einen solchen Tag zu erleben. Davon habe ich geträumt.“
Jahrelang lebte Mas unter dem großen Erwartungsdruck in der Heimat, die Nachfolge von Contador antreten zu müssen. Dreimal belegte er bei der Vuelta den zweiten und einmal den dritten Platz – zu wenig für die lange Zeit erfolgsverwöhnten Radsport-Fans in Spanien. Dass es nun doch noch gelang, machte auch seinen Vorgänger Contador glücklich.
„Oft hat es den Anschein, als sei eine Leistung nichts wert, wenn man nicht gewinnt. Deshalb wird der Radsport Enric Mas mit diesem Vuelta-Sieg endlich die Anerkennung zollen, die er verdient“, sagte Contador der spanischen Zeitung „AS“. Der „Pistolero“ hatte einst eine Ära geprägt, je zweimal die Tour de France und den Giro d’Italia sowie dreimal die Vuelta gewonnen.
Nur 33 Sekunden Rückstand auf den Weltmeister
Er gewann die Bergetappe auf dem Alto de Aitana und zeigte sogar ganz neue Qualitäten im Einzelzeitfahren, das so gar nicht zu seinem Repertoire gehört. Doch mehr als 33 Sekunden Rückstand auf Altmeister Roglic – dem Zeitfahr-Olympiasieger von Tokio – ließ Mas nicht zu.
Auf der 21. und letzten Etappe hatte er dann nichts mehr zu befürchten. Auch, weil die Zeiten für die Gesamtwertung bereits vor der letzten Runde gut zehn Kilometer vor dem Ziel eingefroren wurden. Damit kamen die Organisatoren dem Wunsch der Fahrer nach, die auf den gefährlichen Kurs hingewiesen hatten. Eine ähnliche Maßnahme hatten die Tour-Organisatoren auch in Paris ergriffen.
„Es sind sehr viele Jahre vergangen, ohne dass ein Spanier eine große Rundfahrt gewonnen hat. Und nicht nur das: Man spielte auch kaum eine tragende Rolle. Persönlich freue ich mich sehr für Enric; es ist ein wunderbares Gefühl“, ergänzte Contador. In den letzten Jahren haben Pogačar, Jonas Vingegaard und auch Roglic nicht viel übrig gelassen bei den großen Rundfahrten.
„Diesmal blieb eine der großen Rundfahrten frei, und Enric hat diese Chance genutzt. Das war kein Geschenk, sondern das Ergebnis seiner harten Arbeit und seiner hervorragenden Form“, betonte Contador. Einst war Mas im Jugendteam von Contador auf den Profi-Radsport vorbereitet worden. Am Sonntag schloss sich der Kreis.
