Frankfurter Personalien :
Das sind die Pläne für Adi Hütters Eintracht-Kader

Imago
Drei Spieler fehlen beim 11:0-Sieg im DFB-Pokal und dürften keine Zukunft in Frankfurt haben. In der Torwartfrage herrscht im Prinzip Klarheit. Und ein Franzose weckt das Interesse von Adi Hütter.
Da, wo er gewöhnlich nach einem Pflichtspiel als Erster erscheint, ließ sich der Sportvorstand am Freitag aber nicht blicken: in der räumlich begrenzten Mixed Zone, wo das Gedränge entsprechend groß war, in unmittelbarer Nähe zu den beiden Mannschaftskabinen.
Die Transferperiode läuft allerorten auf Hochtouren – und Krösche wollte offenbar gegenüber den Medien keinen Kommentar zum aktuellen Wechselstand bei potentiellen Zu- und Abgängen der Eintracht abgeben. Schon vor einem Jahr im Anschluss an das 5:0 im DFB-Pokal gegen Engers in Koblenz stand der Sportvorstand in Personalfragen nicht Rede und Antwort. Er hielt das für die beste Lösung.
Adi Hütter konnte in Krefeld dem für die Öffentlichkeit interessanten Thema nach dem unkomplizierten Einzug in die zweite Pokalrunde erst einmal nicht ausweichen. Die Pressekonferenz ist ein Pflichttermin für beide Trainer. Und so war es an Frankfurts Fußballlehrer, über den Personalstand zu diesem Zeitpunkt in der aus seiner Sicht gebotenen Form zu informieren.
Theate, Wahi und Nkounkou sind außen vor bei der Eintracht
Recht deutlich wurde der Österreicher bei drei Profis, ohne allerdings deren Namen zu nennen: „Ich konzentriere mich auf die Spieler, mit denen ich plane. In meinen Planungen spielen die Spieler eine Rolle, die hierbleiben.“ Das sei der Grund, warum „die Jungs“ nicht mit dabei gewesen seien, sagte Hütter. Er meinte Arthur Theate, Elye Wahi und Niels Nkounkou. Sie haben sportlich offenbar keine Zukunft in Frankfurt und gehörten daher nicht zum Pokalkader.
Wahi scheint nun der Akteur zu sein, der von den dreien die Eintracht als Erster verlassen wird. Der Stürmer, dem am Main nicht der Durchbruch gelang, soll abermals nach Nizza verliehen werden. Eigentlich hätten die Hessen den Franzosen lieber fest abgegeben, um für ihn eine Ablösesumme in Höhe von rund 15 Millionen Euro einzunehmen. Insofern dürfte in dem Leihvertrag zwischen beiden Klubs eine Kaufoption für den französischen Ligue-1-Verein in ähnlicher Größenordnung verankert sein. Hat Wahi den Medizincheck bestanden, soll sein Wechsel in der ersten Wochenhälfte erfolgen.

Klarheit herrscht im Prinzip in Frankfurts Torwartfrage. Nur direkt aussprechen wollte es Hütter auch am Freitag nicht. Auf Nachfrage, ob Kauã Santos zum Bundesligastart am kommenden Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) bei Union Berlin ebenfalls zum Einsatz kommen werde, antwortete der Trainer nämlich: „Er hat heute im Tor gestanden. Was nächste Woche in Berlin ist, kann ich noch nicht sagen.“
Bis dahin hofft Hütter, der den Vertrauensbeweis für den Brasilianer schuldig blieb, augenscheinlich auf die Verpflichtung einer neuen Nummer eins. Noch hat er diese Einschätzung zwar öffentlich nicht abgegeben, aber die Rolle einer dauerhaft souveränen Stammkraft zwischen den Pfosten traut der Trainer offensichtlich weder Kauã Santos noch dessen Kollege Michael Zetterer zu. Schwere Zeiten für beide.
Noah Atubolu soll die neue Nummer eins werden
Der Wunschkandidat für das Eintracht-Tor ist dem Vernehmen nach der Freiburger Noah Atubolu. Auch der 24-Jährige soll sich einen Wechsel nach Frankfurt gut vorstellen können. Für Atubolu, der zum erweiterten Kreis der deutschen Nationaltorhüter zählt, ist eine Ablösesumme in Höhe von rund 15 Millionen Euro im Gespräch. Auch ein Leihgeschäft mit Kaufoption könnte infrage kommen. Ließen sich die Freiburger darauf ein, müssten sie jedoch zunächst den Vertrag mit Atubolu verlängern. Ein solches Verhandlungsergebnis würde Frankfurts eingeplantes Transferbudget für den Moment nicht zusätzlich belasten.
Im Hinblick auf ihre Ansprüche, regelmäßig spielen zu wollen, müssten sich Kauã Santos und Michael Zetterer dann eigentlich einen anderen Arbeitgeber suchen. Beim 23 Jahre alten Santos, dessen Verunsicherung ihm in zwei Spielszenen in Krefeld deutlich anzusehen war, wäre eine Leihe denkbar. Er braucht Spielpraxis, womöglich in einer Spielklasse, in der der Druck nicht so groß ist wie in einer europäischen Topliga.
Von Zetterer heißt es, dass er trotz seiner sportlich eingeschränkten Möglichkeiten momentan nicht aus Frankfurt wegwill. Einen kolportierten Abgang Zetterers zum Premier-League-Klub Leeds United dementierte dessen Berater in der „Bild“-Zeitung. Vielleicht würde sich Zetterer mit der Position des Ersatztorhüters abfinden.
Beide sind „Top-Torhüter“ – diese Einschätzung traf Mario Götze „fairerweise“, wie er es ausdrückte, auf Nachfrage im Grotenburg-Stadion über seine Mannschaftskameraden. „Zetti und Kauã bringen jeden Tag im Training eine Topleistung. Ich sehe die Jungs, wie sie arbeiten, für die Mannschaft und auch für den Verein. Jeder ist da, jeder will. Das ist das Wichtigste“, sagte Götze. „Wie es dann ausgeht, wird man sehen. Aber das geht nicht von mir aus. Das müssen andere entscheiden.“
„Er hat heute seine Klasse wieder gezeigt“
Auf jeden Fall bei der Eintracht bleiben soll der umworbene Can Uzun, das ist der große Wunsch seines Trainers. Der Spielmacher zählte mit zwei erzielten Treffern und insgesamt fünf Torbeteiligungen gegen St. Tönis zu den auffälligsten Profis auf dem Platz. „Er hat heute seine Klasse wieder gezeigt“, lobte Hütter, meinte aber auch: „Er ist noch kein fertiger Spieler. Ich möchte den Jungen einfach noch besser machen.“ Denn: „Er hat schon ein paar Dinge, die er verbessern muss.“
Uzun wiederum erweckte in Krefeld den Eindruck, kein Verkaufskandidat sein zu wollen. Der türkische Nationalspieler weiß es offenbar zu schätzen, dass ihm der Trainer „die volle Freiheit“ gebe. Er fühle sich sehr wohl bei der Zusammenarbeit mit Hütter, sagte Uzun.
Auf Frankfurts Zugangsseite hat der französische Innenverteidiger Lilian Brassier von Stade Rennes das Interesse von Hütter geweckt. Mit 162 Erstligaspielen kann der 26 Jahre alte Linksfuß reichlich Erfahrung vorweisen; er weiß sich in Zweikämpfen durchzusetzen und gilt als flink. Mit Rennes streben die Frankfurter jetzt zügig eine Übereinkunft an, die Ablöse für Brassier könnte etwa zehn Millionen Euro betragen.
Verhandlungsführer auf Eintracht-Seite ist Krösche. Es ist davon auszugehen, dass sich der Sportvorstand in dieser Woche zu Personalfragen zu Wort melden wird – dann, wenn die Entscheidungen jeweils gefallen sind.
