Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 war für Deutschland eine Sommertragödie. Die Bilanz der Frankfurter Teilnehmer dieser Fußball-Weltausstellung fällt deutlich besser aus, ohne dass sich für sie alle Hoffnungen erfüllt hätten. Die Aussichten für die Eintracht, im Transfersommer mit ihnen wieder einmal groß Kasse zu machen, haben sich jedoch verbessert. Die Marktwerte der neun Frankfurter WM-Starter sind im Schnitt gestiegen.
Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche spielte in einem Interview mit der Internetplattform „transfermarkt.de“ die Bedeutung einer Fußball-Weltmeisterschaft für Personalentscheidungen herunter: „Früher haben wir diesen wenigen Spielen viel mehr Gewicht beigemessen. Aber ich glaube, der Fußball hat dazugelernt. Heute ist das Scouting viel strategischer. Meiner Meinung nach hat ein Turnier nicht mehr denselben Einfluss auf die Entscheidung eines Vereins wie vielleicht noch vor zehn Jahren.“
Aber Krösche bestätigt auch, dass der Marktwert eines Profis durch eine WM beeinflusst wird, allein dadurch, dass der Spieler im Schaufenster steht. Das Prädikat „WM-Teilnehmer“ hat einen geldwerten Vorteil. Erst recht, wenn der Spieler eingesetzt wird und dann auch noch glänzt.
Einen „Wow-Effekt“ hat kein Eintracht-Spieler hinterlassen
Einen „Wow-Effekt“ hat bis jetzt noch kein Eintracht-Spieler in diesem Turnier hinterlassen. Am ehesten vielleicht noch Nathaniel Brown, der beim 7:1-Auftaktsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao nach Deniz Undav und Felix Nmecha mit einem Tor und einem Assist der auffälligste Akteur im DFB-Trikot war. Im zweiten Gruppenspiel gegen die Superathleten der Elfenbeinküste (2:1) zog sich Brown besser aus der Affäre als die meisten seiner Kollegen, ohne dass ihm spektakuläre Aktionen gelungen wären. Beim K. o. gegen Paraguay ließ sich der 23 Jahre alte Linksverteidiger vor der Flanke, die zum Gegentor führte, ziemlich plump ausspielen. Große Offensivaktionen gingen von ihm im Zusammenspiel mit Florian Wirtz auch nicht aus, als es darum ging, das Spiel vor dem Elfmeterschießen zugunsten der DFB-Auswahl zu drehen.
Dennoch – insgesamt beeindruckte Brown: den FC Bayern, der den geplanten Transfer des gebürtigen Franken nach dem ersten WM-Spiel finalisierte, bevor ein anderer Klub dazwischengrätschen konnte, und Bundestrainer Julian Nagelsmann, der Brown große Verantwortung übertrug. Der Frankfurter bildete in persona bei Ecken und Standards vor dem gegnerischen Tor die Konterabsicherung und löste fast alle heiklen Situationen mit der ihm eigenen Geschwindigkeit und dem ihm eigenen Geschick im Zweikampf. In den hart umkämpften Auseinandersetzungen mit der Elfenbeinküste und Paraguay ließ ihn der Bundestrainer bis zum Abpfiff auf dem Feld.

In den sozialen Medien diskutierten die Eintracht-Fans nach dem 7:1 gegen Curaçao angeregt, ob es ein Fehler der Eintracht war, die Ablösesumme für Brown schon vor dem WM-Start mit 50 bis 55 Millionen plus Boni festzulegen. Würde es für ihn und Deutschland bei der WM so gut weiterlaufen, wäre doch eine Menge mehr herauszuholen! Die Eintracht entschied sich gegen die Spekulation und behielt im Nachhinein recht. Sie hat nun den Vorteil, mehr Planungssicherheit für die anstehenden Transferaktivitäten zu haben.
Vollzogen ist der Wechsel von Rasmus Kristensen zu dessen Heimatklub FC Midtjylland. Im Gegenzug wechselt das 18 Jahre alte Sturmtalent Malik Pimpong vom dänischen Klub zur Eintracht. Zudem hat der zuvor verliehene Hrvoje Smolcic eine Festanstellung beim türkischen Erstliga-Aufsteiger Çorum FK gefunden. Für die WM-Fahrer der Eintracht regelt sich die Zukunft noch nach Angebot und Nachfrage.
Bietet Galatasaray wirklich für Uzun?
Für Can Uzun hat sich ein reges Interesse in seiner türkischen Heimat entwickelt. Sein Team schied in der Vorrunde aus, aber der offensive Mittelfeldspieler setzte sich in Szene und bereitete den Siegtreffer zum 3:2 über die USA vor. Galatasaray soll ein Angebot für das 20 Jahre alte Talent vorbereiten, das gerade noch im letzten Moment nominiert wurde und dann eine Jokerrolle erhielt. Sein Marktwert von 40 Millionen Euro ist dadurch zumindest bestätigt worden, tendenziell eher gestiegen.
Das gilt auch für Ayoube Amaimouni, der mit Marokko ins Achtelfinale eingezogen ist. Wie Uzun auf den letzten Drücker nominiert, kam der 21 Jahre alte Flügelflitzer in der Vorrunde zweimal als Einwechselspieler zum Einsatz und machte seine Sache auf großer Bühne nicht schlecht. Für ihn, im Dezember noch in der Dritten Liga unterwegs, geht der Traum noch weiter. Bekommt er gegen Kanada wieder eine Rolle zugewiesen oder später, wenn es mit Marokko noch höher im Turnier hinausgehen sollte, dann wäre für die Eintracht noch mehr als die zehn Millionen Euro Ablöse drin, die schon vor dem WM-Beginn genannt wurden.

Farès Chaïbi und Ritsu Doan haben nach einer jeweils durchwachsenen Saison mit der Eintracht in ihren Nationalmannschaften eine gewisse Selbstbestätigung erfahren. Beide, mit der Rückennummer zehn ausgezeichnet, zählen bei der WM-Endrunde zu den Stammkräften, ja Führungsspielern ihrer Teams. Chaïbi erreichte mit Algerien das Sechzehntelfinale und machte mit seinem Führungstreffer im ersten Gruppenspiel gegen Argentinien auf sich aufmerksam, dem allerdings die Anerkennung versagt blieb. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler stand bei seinem präzisen Schuss ins kurze Eck knapp im Abseits.
Doan gelang gegen Schweden der Assist zum 1:1, und er hatte die Ehre, seine Mannschaft in allen Spielen als Kapitän auf den Platz zu führen. Beide bestätigten durch die WM zumindest ihren Marktwert von 15 beziehungsweise 17 Millionen Euro, Doan könnte sogar wieder im Bereich der 21 Millionen Euro liegen, die die Eintracht vor einem Jahr an den SC Freiburg überwies.

Arthur Theate steht mit Belgien nach dem dramatischen 3:2 nach Verlängerung über Senegal im Achtelfinale. Der Innenverteidiger war nach der Roten Karte gegen seinen Konkurrenten Ngoy im dritten Gruppenspiel in die Startelf gerückt. Am nächsten Dienstag kann er gegen die USA wieder bestens Werbung in eigener Sache betreiben.
Dazu hat Innenverteidiger-Kollege Aurèle Amenda bisher keine Gelegenheit erhalten. Der Schweizer blieb bisher auf der Ersatzbank hocken. Dennoch soll sich der englische Klub Coventry City für ihn interessieren. Im Raum steht eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro. Die Eintracht zahlte vor zweieinhalb Jahren an Young Boys Bern knapp zehn Millionen Euro.
Elye Wahi geriet während der WM in die Schlagzeilen, als ihm die kanadischen Behörden zunächst die Einreise zum zweiten Gruppenspiel gegen Deutschland verweigerten, weil er unter dem Verdacht einer Spielmanipulation in der französischen Liga stand. Die Einreise wurde ihm mit Verspätung doch noch gestattet, der Stürmer blieb allerdings auf der Bank sitzen. In den anderen drei WM-Spielen hatte Wahi Teilzeiteinsätze, die seiner Karriere und seinem Marktwert sicher nicht geschadet haben.
Selbst für Ellyes Skhiri war die WM eine Reise wert, obwohl er mit Tunesien nach drei Niederlagen mit zwölf Gegentoren in der Vorrunde ausschied. Dabei unterlief ihm gegen die Niederlande ein Eigentor. Aber – durch seinen insgesamt neunten WM-Einsatz wurde der 31 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler zum tunesischen Rekordhalter. Und so hat diese WM für jeden Frankfurter Profi etwas Positives.
