Es gibt sie schon noch, die Gewinnertypen im Eintracht-Outfit, denen vom eigenen Anhang zugejubelt wird. Es war die Nachwuchself der U 21, die das Publikum am Samstag im Frankfurter Stadion hochleben ließ: für den Titel in der fünftklassigen Hessenliga.
Wenig später, als die Profis ihr Tagwerk vollbracht hatten, war es das Fußballteam des Gegners, das sich von seinem Anhang für die Leistung zu Recht feiern lassen durfte: Der VfB Stuttgart sicherte sich mit dem 2:2 im Duell mit den Hessen im letzten Bundesligaspiel den vierten Tabellenplatz.
Eintracht rutscht auf den achten Platz ab
Damit verbunden ist die Qualifikation für die Champions League. Ein Erfolg, der den Leuten von Trainer Sebastian Hoeneß, der sie 2023 als Abstiegskandidat übernommen hatte, damit zum zweiten Mal in drei Jahren glückte. Für die Eintracht ging dagegen ein turbulentes Sportjahr so zu Ende, wie es sich seit Wochen abgezeichnet hatte: desillusionierend.
Aus der Umkleidekabine der Stuttgarter drangen derweil Gejohle und Partyklänge. Trainer Sebastian Hoeneß sagte, dass er sich bei der „Mannschaft und dem Klub für diese Saison bedanken muss“. Er sei „überglücklich“ über das Erreichte, denn es „war viel Druck drauf“.
Sie hätten gerne auch zum Abschluss gewonnen und sich „mit einem Sieg verabschiedet“. Hoeneß betonte, dass es wichtig sei, dass sich alle beim VfB den „Hunger erhalten“, um als Nächstes am Pfingstsamstag im Pokalfinale in Berlin gegen den FC Bayern einen weiteren Coup vollbringen zu können.
Spielbeginn mit sechsminütiger Verspätung
Bis die Dinge am Nachmittag ihren Lauf nahmen, vergingen für alle Beteiligten Minuten des Wartens, in denen das Spielfeld in der Arena unter einer dichten Wolke aus grauem Qualm lag. Die Feuerköpfe unter den Anhängern in beiden Fankurven zündeten unmittelbar nach dem Erscheinen der Mannschaft eine veritable Pyro-Show, bei der Silvesterraketen auf den Rasen geschossen wurden und Rauchtöpfe entflammt wurden.
Tobias Welz, der letztmals als Bundesligaschiedsrichter zum Einsatz kam, pfiff die Partie mit sechsminütiger Verspätung an. Auch später wurden von den Frankfurter Supportern immer wieder Fackeln abgebrannt und Böller gezündet. Dabei wurden nach Angaben der Eintracht zwei Menschen verletzt.

„Diese Aktion ist ein Wahnsinn, nicht nachzuvollziehen und vollkommen inakzeptabel“, sagte später Vorstandsmitglied Philipp Reschke: „Mit Böllern und vor allem Raketen nimmst du genau das in Kauf, was jetzt passiert ist. Wir versuchen aktuell, mit den Betroffenen in Kontakt zu treten.“
Er berichtete von einer leichter verletzten Person, die sich wieder auf den Heimweg machte und einer schwerer geschädigten, die sich am Abend zur Behandlung noch im Krankenhaus aufhielt. Reschke nannte die Ereignisse eine „geplante Eskalation“ mit einer „neuen Qualität“. Was sich im „Herz der Kurve“ zugetragen habe, werde „Konsequenzen“ haben.
Frankfurt liegt zurück, Freiburg liegt vorne
Das, was Rieras Spieler zustande brachten, verfestigte das Bild, dass er nicht der richtige Mann für diese Mannschaft ist. Seine taktische Überlegung, mit Mario Götze als gestaltende Kraft die Mittelfeldhoheit zu erlangen, zündete nicht; die Defensive agierte wie oft achtlos und machte es dem VfB nicht schwer, zu seinen Toren zu kommen.
Im Anschluss an die erste Ecke gelang Stuttgart durch Chema das 1:0 (10. Minute), Nikolas Nartey baute den Vorsprung aus (45.+3). Da der SC Freiburg parallel nach 26 Minuten 2:0 gegen RB Leipzig führte, war es um die Chancen der Frankfurter, im letzten Akt sportlich Wundersames zu vollbringen, rasch geschehen.
„Wir haben es insgesamt in der Saison nicht geschafft, Konstanz reinzubekommen“, sagte Götze in seinem Rückblick selbstkritisch, „das ist schade und das müssen wir uns ankreiden lassen.“ Am Ende, so fügte es der 33-Jährige an, dem es in mehreren Situationen an Handlungsschnelligkeit mangelte, „geht es darum, Spiele zu gewinnen“.
Stattdessen verpassten sie durch ihre Wankelmütigkeit das Ziel, im fünften Jahr in Serie im Europapokal vertreten zu sein. Nun müssten in der Nachbetrachtung die Gründe dafür herausgearbeitet werden, „warum wir da in der Tabelle stehen, wo wir stehen“. Er empfand das Abschneiden als „Enttäuschung, die wehtut“.
„Wenn du nicht gewinnst, bist du nicht gut genug“
Götze sagte, als er darauf angesprochen wurde, wie er die Diskussionen um Riera beurteile, dass er noch „keine Rauchzeichen“ wahrgenommen habe, wie es weitergehen werde. „Ehrlicherweise“ sei die Trainerfrage aber auch kein Thema, das von Spielern öffentlich bewertet werden solle.
Riera sagte, dass er die Kritik an seiner Person akzeptiere: „Wenn du nicht gewinnst, bist du nicht gut genug. Gewinnen ist das Einzige, was zählt.“ Sie hätten zusammen nicht geschafft, was sie vollbringen wollten. Er habe versucht, sein „Maximum“ zu geben.
Nach einer „schwierigen Saison“ stünde die Eintracht nun vor einer Situation, die einen „Reset“ erfordere. An der nötigen „Power“ für einen Neustart mangele es ihm nicht, sagte Riera. Er wisse aber auch, dass er dafür des „Vertrauens“ der Eintracht-Gremien bedürfe. „Es liegt nicht in meinen Händen“, sagte der 44-Jährige, „aber wenn ich falle, stehe ich wieder auf.“
Der Coach, der zuletzt von Johnathan Burkhardt beim Spiel in Dortmund (2:3) beleidigt worden war, woraufhin er von der Vereinsführung mit einer Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro belegt wurde, ließ den Mittelstürmer seine gewachsene Geringschätzung auch während des Geschehens in der Arena spüren: Als nach Jean-Matteo Bahoye auch Arnaud Kalimuendo verletzt vom Rasen musste, beorderte er zunächst Ansgar Knauff als „falsche Neun“ in die vorderste Reihe, während Burkardt eine Stunde auf der Ersatzbank schmorte.
Jonathan Burkardt mit zwei Elfmetertreffern
Nach seiner Einwechslung verwandelte der 25-Jährige erst einen Foulelfmeter zum Anschlusstor (72.), dann einen Handelfmeter zum Ausgleich (90.+2). Im Anschluss verzichtete Burkardt auf Gesten und Worte in Richtung Riera. Die Option, im Angriff variabler zu reagieren, hatte sich der Mallorquiner auch dadurch genommen, dass er Younes Ebnoutalib, den Millionen-Winter-Transfer, wiederum komplett aus dem Aufgebot gestrichen hatte.
Die Aufarbeitung des Rückrunden-Intermezzos Rieras wird zeitnah beginnen, personelle Konsequenzen zeichnen sich ab – sowohl auf der Trainerposition als auch im Betreuerstab drumherum. „Wir müssen das sacken lassen und gehen in die Analyse“, sagte Markus Krösche am frühen Abend in seinem Fazit: „Dann schau’n mer mal.“ Auf ein Bekenntnis zu Riera, den er im Januar mit einem Vertrag bis Mitte 2028 ausgestattet hatte, verzichtete der Frankfurter Sportvorstand.
