Der andere Frankfurter Profi mit guten Aussichten auf das Frankfurter Kapitänspatent sorgte für den Glanzpunkt beim 7:1 über den FC Gießen. Jonathan Burkardt gelang der Treffer zum 4:0-Zwischenstand mit einem sogenannten „Rabona“. Der Ausdruck bezeichnet einen Schuss, bei dem der Fuß des Schussbeins den Ball hinter dem Standbein trifft. Ein Stilmittel, das häufiger von südländischen Spielern als Showelement eingesetzt wird; bei Burkardt war es die aussichtsreichste Methode, den Treffer zu erzielen, weil der Ball ungünstig lag.
Bleibt Koch der Kapitän der Eintracht?
Koch hat bei einem Medientermin in dieser Woche keinen Zweifel daran gelassen, dass er gerne Kapitän bleiben würde. Es sei ihm eine Ehre. „Ich fühle mich bereit dazu, das so fortzuführen.“ Andererseits hängt sein Wohlbefinden nicht von der Spielführerbinde ab. „Seitdem ich hier angekommen bin, habe ich den Anspruch gehabt, vorwegzugehen und Führungsspieler zu sein.“ Ob als Kapitän oder nicht. „Die Binde ist nur ein Signal.“

Dass Hütter sich noch nicht entschieden hat, hält der Abwehrspieler für gut nachvollziehbar. „Es ist ganz normal, wenn ein neuer Trainer kommt, dass er sich erst mal alles anschaut. Ich glaube, das ist auch für uns als Mannschaft wichtig, für die Jungs, dass jeder das Gefühl hat, er kann sich beweisen.“ Und genau diese Gefühlslage der Profis sei in der ersten Trainingswoche sichtbar geworden, sagte Koch. „Jeder hat sich von der ersten Einheit an reingehängt, und dadurch ist eine gute Intensität ins Training gekommen, die für uns extrem wichtig ist.“ Als er seine ersten Eindrücke vom neuen Trainer beschreiben soll, hebt der Innenverteidiger die große Erfahrung von Hütter hervor, die sofort spürbar gewesen sei. Zum Beispiel die Ruhe, mit der er die hohe Intensität einfordere.
Kochs Lehren aus der Rückrunde
Für detaillierte Urteile ist es noch viel zu früh. Der Kader, der vergangene Woche trainierte und am Samstag im Gießener Test vorspielte, wird sich noch auf vielen Positionen verändern; allein die WM-Fahrer sind noch nicht aus dem Urlaub zurück. Mit Aurèle Amenda, Rasmus Kristensen und Nathaniel Brown haben schon Profis die Eintracht verlassen, die in der Rückrunde zur Abwehrkraft beitrugen, neue Verteidiger wurden bis Sonntag noch nicht verpflichtet; immerhin unterzeichnete Mittelfeldspieler Noel Aseko von Bayern München.
„Am liebsten hätte ich die neuen Kollegen schon gestern. Aber in einem WM-Jahr, in dem alles etwas länger dauert, ist das nicht möglich“, weiß Koch. Grundsätzlich sagt er: „Ich bin schon der Meinung, dass wir ein Gerüst von Führungsspielern brauchen, mit Jungs, die schon ein bisschen was erlebt haben. Und drum herum können wir, wie wir es in den letzten Jahren auch immer wieder gezeigt haben, dann auch junge Spieler entwickeln. Ich bin mir aber auch sicher, dass der Klub das ähnlich sieht und daran arbeiten wird.“
Für Koch ist es in dieser frühen Phase der Vorbereitung richtig, dass Hütter viel Wert auf die „Basics“ legt, auf die intensive Arbeit gegen den Ball. „Es muss wieder eklig sein, gegen uns zu spielen“, sagt er. Genau daran habe es in der vergangenen Saison, vor allem in der Rückrunde, gefehlt.
Kochs Küchenpsychologie: Weniger Unruhe im Verein
Der gebürtige Pfälzer mochte nicht lange nachkarten, als er nach seiner persönlichen Aufarbeitung der Saison gefragt wurde. Tatsache sei, dass zu viele individuelle Fehler begangen worden seien. Davon schließt er sich nicht aus: „Natürlich wünscht man sich eine Saison komplett ohne Fehler, aber nicht jedes Jahr ist gleich.“
Er habe sich viele Gedanken gemacht, warum er Fehler beging, die er sonst nie begangen hatte. Die Antwort darauf blieb er schuldig. Es sei jedenfalls nicht sinnvoll, die Rückrunde taktisch aufzuarbeiten. Bleibt wohl nur der küchenpsychologische Ansatz, dass bei ihm aus einem Negativtrend ein Negativstrudel wurde, weil niemand in der Lage war, dem Führungsspieler in der Krise Halt zu geben. „Wenn Unruhe in einem Verein herrscht, wirkt sich das auf die Mannschaft aus. Ich bin nicht an das herangekommen, was ich zuvor gezeigt habe; in dieser Saison will ich wieder mit Leistung vorangehen.“
Und er will sich wieder für die Nationalmannschaft empfehlen. Das Thema ist für ihn noch nicht abgehakt, nachdem er den Sprung in den WM-Kader nicht geschafft hat. „Natürlich ist man enttäuscht, nicht dabei zu sein, wenn man bis zum letzten Lehrgang davor immer dabei war. Aber während der WM habe ich richtig mitgefiebert und mit den Jungs gelitten, mit vielen von ihnen bin ich gut befreundet.“
Koch will mit Leistungen wie in der Saison 2024/25 den Weg in die DFB-Auswahl zurückschaffen, als er mehrere Spiele in der Startelf stand und von seinem Sportvorstand Markus Krösche als „derzeit bester deutscher Innenverteidiger“ bezeichnet wurde. Mit 30 Jahren, Koch hatte in der vergangenen Woche Geburtstag, hält er sich dafür nicht für zu alt. „Zum Glück fühle ich mich noch gut.“ Aufnahmen von seinem gestählten Körper in den sozialen Medien untermauern seine Selbstdiagnose. Verteidiger Koch ist offensichtlich bereit, nach der Sommerfrische wieder anzugreifen.
