Der Chauffeur Eckhard Seeber lebte für seinen Beruf und nicht zuletzt für den Mann, den er fast vier Jahrzehnte lang durch – hier passt der Begriff einmal – die Weltgeschichte kutschierte: Helmut Kohl. 1962 sind sie sich zum ersten Mal begegnet, bei einem Abendessen. Der spätere Bundeskanzler, seinerzeit stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Mainz, war auch eingeladen. Als Seeber ihn nach Hause fuhr, fragte ihn Kohl, ob er ihm nicht einen Fahrer empfehlen könne, er suche einen. Eine Woche später bot Seeber sich selbst an, mit Erfolg. Von da an waren sie beiden ein Team. Auf Seebers Visitenkarte stand: „Persönlicher Betreuer des Kanzlers“.

Die meisten Spitzenpolitiker sitzen im Fond des Autos, um in Ruhe arbeiten zu können. Kohl saß immer vorne. Das hatte vor allem mit seiner Körpergröße zu tun. Vorne hat man mehr Beinfreiheit, vorne fällt das Einsteigen leichter. Vorne hat der Politiker aber auch engeren Kontakt zum Chauffeur. Die Rollenverteilung war bei aller Nähe trotzdem klar: „Ich fahre, Sie machen die Politik“, hat Seeber zu Kohl gesagt.
Seeber war mit Jelzin in der Sauna, bei Clinton im Weißen Haus
Der Kanzler nahm Seeber überall hin mit, obwohl dieser so gut wie kein Englisch sprach und sich keine große Mühe gab, den Mann von Welt zu spielen. So kam Seeber in der Sauna neben Boris Jelzin zu sitzen, so gelangte er im Weißen Haus in die Privatgemächer von Bill Clinton, der den deutschen Gästen Eiscreme servierte.
Seeber wohnte nur fünf Autominuten von Kohls Haus im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim entfernt. Seine Frau Hilde, mit der er drei Kinder hatte, wurde Haushälterin bei den Kohls und entwickelte eine enge Beziehung zu Hannelore. Hilde Seeber war es auch, die die Frau des Kanzlers tot in ihrem Bett fand, als die sich, schwer unter ihrer Lichtallergie leidend, das Leben genommen hatte. Sieben Jahre später, 2008, war es wiederum Eckhard Seeber, der Helmut Kohl nach seinem schweren Sturz ins Krankenhaus fuhr. Es war die letzte gemeinsame Fahrt.
Es betrübte die Seebers sehr, dass Kohls spätere Ehefrau ihnen zu verstehen gab, ihre Dienste würden nun nicht mehr gebraucht. Die Erinnerungen an unvergleichliche Zeiten immerhin blieben. Am Montag ist Seeber, den alle Welt „Ecki“ nannte, kurz vor seinem 88. Geburtstag gestorben.
