
So viel wie Champagner kostet der Kraftstoff hierzulande noch nicht. Doch die Differenz zwischen den Literpreisen verringert sich. Schließlich herrscht auf dem Markt für flaschengegärten Schaumwein ein Überangebot, während Knappheit die Preise an den Tankstellen in die Höhe treibt.
Nun ist aber Ethanol nicht nur berauschende Substanz im Wein, sondern lässt sich in Reinform auch im Motor verbrennen, mit dem klimafreundlichen Nebeneffekt, dass dabei nur jene Menge Kohlendioxid freigesetzt wird, die zuvor durch die Pflanze gebunden wurde. Pedanten rechnen vor, dass durch Düngung und Transport weitere Emissionen freigesetzt werden, aber grob stimmt die Rechnung.
Also wäre es doch eine feine Sache, Angebot und Nachfrage zueinanderzubringen und energetischen Mangel durch agrarische Überproduktion auszugleichen. Es müssen ja nicht gleich die feinsten Trauben im Tank landen, der Trester und andere Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion würden schon signifikante Mengen ausmachen.
Fast alle neueren Motoren könnten Benzin mit einem Ethanolanteil von 20 Prozent (E20) verdauen, ohne Schaden zu nehmen. Doch trotzdem darf ein solcher Kraftstoff aufgrund des höheren Sauerstoffgehalts nicht in den Verkehr gebracht werden, sowohl europäische als auch deutsche Normen untersagen dies bislang.
Insofern ist die Initiative der drei Europaparlamentarier Peter Liese, Jens Gieseke und Norbert Lins (alle CDU) zu begrüßen. Sie fordern Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf, schnell einen Vorschlag zu machen, wie E20 zugelassen werden könnte.
Selbst wenn sie gehört werden, dürfte einiges Benzin durch die Zapfsäulen fließen, bis die Rechtslage geklärt ist. Dann allerdings läge eine im Wortsinn nachhaltige Lösung vor, die, anders als der Tankrabatt, nicht innerhalb weniger Monate wieder überdacht werden müsste.
