
Der Drohnenvorfall auf dem Leipziger Flughafen hätte um ein Haar zur Katastrophe führen können. Noch ist der Fall nicht geklärt, aber die aufgefundene Drohne war offenbar mit Sprengstoff und Zünder ausgerüstet. Es kam nicht zur Explosion, niemand wurde verletzt, die Sache lief glimpflich ab. Ebenso der mutmaßliche Zusammenstoß einer zweiten Drohne mit einem Flugzeug.
Der Verdacht liegt nahe, dass die Urheber dieses „Zwischenfalls“ in Russland zu suchen sind oder unter seinen Sabotagezellen im Westen. Es wäre allerdings eine neue Stufe der „hybriden Kriegsführung“. Bislang ging es im Flugverkehr um Brandsätze, die in Flugzeuge geschleust wurden; auch das alles andere als harmlos. Nun wurde ein offener Angriff vorgetragen.
Neue Dimension der Kriegsführung
Deutschland geht damit zu leichtsinnig um. Im vergangenen Jahr wurden rund tausend Drohnenüberflüge vermeldet, es gab Sabotageakte und zahllose Angriffe im Netz. Nicht jeder dieser Angriffe muss aus Moskau gesteuert sein, aber es steht fest, dass der Ukrainekrieg der hybriden Kriegsführung aus Russland neue Dimensionen gegeben hat. Deutschland gehört zu den wichtigsten Zielen.
Aber eine wirkungsvolle Gegenwehr ist bislang nicht in Sicht. Dass eine feindselige Macht sich täglich Angriffe leisten kann, jetzt obendrein bewaffnete, stellt den Bemühungen zur Abwehr „hybrider“ Bedrohungen (was daran ist noch „hybrid“?) ein schlechtes Zeugnis aus. Zwar wird ein Abwehrzentrum aufgebaut. Doch die Vorgaben, wie gegen Angriffe zu reagieren ist, sind bislang kein Erfolgsrezept.
Gegenangriffe, auch hybride, werden ausgeschlossen. Sie kommen in der deutschen Strategie nicht vor. Das beschränkt die Verteidigung auf reine Abwehr, die nicht gerade abschreckend wirkt. Das Kalkül, den Schaden, der jetzt schon entsteht, in Kauf zu nehmen, um an einer Politik der Deeskalation festhalten zu können, wird früher oder später an seine Grenzen stoßen. Sie macht sich vom Angreifer abhängig. In Leipzig sieht man das Ergebnis.
