Unsere Verhandlung sollte der glorreiche Abschluss dreijähriger Ermittlungen werden, gewissermaßen ein Erntedankfest der Justiz. Die Staatsanwaltschaft hat einen Drogenhändler vor Gericht gebracht, endlich einmal einen richtigen, keinen dieser prekären Kokstaxi-Fahrer mit ihren 13 Halbe-Gramm-Tütchen. Auch keinen der pickeligen Marihuanazüchter, die im elterlichen Spitzdach ihre Growzelte errichten und mit der zusammengefrickelten Stromversorgung das ganze Haus abfackeln. Nein, Robert M.*, 38, ist ein Mann aus der Mitte der Vertriebskette, ein regionaler Zwischenhändler. Aufwendige Polizeiarbeit hat ihn überführt; internationale Kooperation, Telefonüberwachung, Observation, Hausdurchsuchung, ein Drogenhund. All das ist dokumentiert in einer großen Kiste voller Akten, die jetzt auf dem Richtertisch steht. Ein Drogenumsatz im Marktwert von 157.991 Euro wird M. vorgeworfen. Die Strafgewalt des Amtsgerichts reiche gerade noch aus, vermerkte der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift. (Das Gesetz begrenzt sie auf vier Jahre Freiheitsstrafe.) Die große organisierte Kriminalität an unserem kleinen Amtsgericht: Das haben wir nicht alle Tage.
