
Zum ersten Mal seit 28 Jahren sind am vergangenen Freitag die amerikanische Federal Reserve und die Bank von Japan gemeinsam mit Stützungskäufen der japanischen Währung gegen die seit Langem beobachtbare Schwäche des Yens vorgegangen. Zuvor war am Devisenmarkt der Kurs des Yens gegenüber dem Dollar auf seinen niedrigsten Stand seit dem Jahr 1986 gefallen.
Kosten der Staatsverschuldung
In einer ersten Reaktion stieg der Kurs des Yens nach den von markigen Worten amerikanischer und japanischer Politiker begleiteten Stützungskäufen. Die Währungsgeschichte belegt jedoch eindrücklich die langfristige Nutzlosigkeit solcher Käufe, solange sich an den grundlegenden Ursachen der Währungsschwäche nichts ändert. Zu diesen Ursachen zählt die sehr hohe Staatsverschuldung Japans. Turbulenzen am japanischen Anleihemarkt könnten die internationalen Anleihemärkte erschüttern. Daran haben die Amerikaner wegen ihrer eigenen sehr hohen Staatsverschuldung kein Interesse.
Japans Staatsverschuldung entspricht mehr als 200 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dieser im internationalen Vergleich sehr hohe Wert wurde viele Jahre lang wegen niedriger Renditen sowie der Tatsache, dass die Anleihen überwiegend von heimischen Großanlegern, darunter der Bank von Japan, stillschweigend gekauft wurden, von Ökonomen und Marktteilnehmern bagatellisiert. Gemessen an der Höhe der Verschuldung waren die künstlich gedrückten Renditen viel zu niedrig. Als Ventil für die latenten Spannungen an den Finanzmärkten diente der Devisenmarkt, wo der Yen Wert verlor.
Es braucht eine solide Finanzpolitik
Die Schwäche der Währung erleichterte zwar Ausfuhren aus Japan, aber sie verteuerte Einfuhren in ein Land, dessen rasch alternde Bevölkerung aus guten Gründen Inflation nicht schätzt. Den Kaufkraftverlust ihrer Währung spürten die Japaner zudem auf Auslandsreisen. Zusammen mit der Sorge, ausländische Anleger könnten die Schwäche des Yens zum Anlass nehmen, Bestände an japanischen Staatsanleihen zu verkaufen, veranlasste dies die Regierung in Tokio, dem Wertverfall ihrer Währung nicht mehr länger zuzuschauen.
Stützungskäufe am Devisenmarkt dürften jedoch nicht lange wirken; es wird einer solideren Finanzpolitik und einer das Wachstum fördernden Wirtschaftspolitik bedürfen. Das Wetterleuchten muss sich nicht auf den Fernen Osten beschränken. Ein zunehmendes Unbehagen an den Märkten über die auf längere Sicht unhaltbare Schuldenpolitik in den Vereinigten Staaten und in einigen europäischen Ländern ist längst vernehmbar.
