Mitten im rasanten Absturz seiner Beliebtheitswerte hält der
deutsche Bundeskanzler eine der wichtigsten Ansprachen seiner Amtszeit. »Wir
bewegen uns in Deutschland seit Jahren weit unter unseren Möglichkeiten«, sagte
der Kanzler am Dienstagmorgen beim Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds
(DGB) in Berlin. »Die gute Nachricht: Wir können das ändern.« Was Friedrich Merz den Gewerkschaftern vortrug, war in etwa die »Blut, Schweiß und Tränen«-Rede,
zu der er schon länger gedrängt worden war. Dass sein Publikum sie mit
Buhrufen und Schreien der Empörung goutierte, zeigt wohl vor allem, wie überfällig
sie war.
