
Gelb-Schwarz sind nicht nur im Fußball Farben mit viel Tradition, im Galoppsport schmücken sie das Renndress der Stiftung Gestüt Fährhof bei Bremen. Das Vollblutgestüt der Unternehmerfamilie Jacobs ist als Züchter seit Jahrzehnten in Deutschland führend, als Rennstall sind die Auftritte in den großen Rennen dagegen eher selten geworden. Doch nun scheint man wieder einen echten Star nicht nur gezüchtet zu haben, sondern auch zu besitzen.
Die drei Jahre alte Soreanga hat am Sonntag am Düsseldorfer Grafenberg den mit einer halben Million Euro Preisgeld dotierten 168. Preis der „Diana“ über 2200 Meter gewonnen. „Ich freue mich riesig“, sagte Stiftungschef Andreas Jacobs. „Es ist das großartigste Rennen für Stuten in Deutschland, und wir haben es lange nicht mehr gewonnen.“ 1994 mit Risen Raven gelang dies zuletzt. Am vergangenen Sonntag nun gewann die von Andreas Wöhler bei Gütersloh trainierte Soreanga mit Eduardo Pedroza im Sattel überlegen mit dreieinhalb Längen Vorsprung gegen die aus Frankreich angereiste Favoritin Lapotheose.
Dabei war der zweite Platz der ausländischen Stute mindestens so wichtig für die deutsche Zucht wie der Sieg von Soreanga, meint der Geschäftsführer des Deutschen Galopps, Daniel Krüger. Er kümmert sich auch um den internationalen Stellenwert der deutschen Rennen und ist Teil des European Pattern Committee, das jährlich über die Qualität der Gruppen- und Listenrennen in Europa, den sogenannten Pattern Races, entscheidet. Die beiden wichtigsten deutschen Galopp-Prüfungen, „Derby“ und „Diana“, waren nach Aussage Krügers angezählt.
„Win and you’re in“
„Beiden Rennen wurde die Gelbe Karte gezeigt, und sie stehen unter Beobachtung.“ Es droht eine Herabstufung des Gruppe-I-Status. „Das wäre aus Sicht der deutschen Vollblutzucht eine Katastrophe“, so Krüger. „Denn es könnte einen Domino-Effekt auslösen, der alle deutschen Toprennen mit hinunter ziehen könnte.“ Abschreckendes Beispiel ist Italien, wo es größtenteils in den Pattern-Prüfungen mehr Geld als in Deutschland zu verdienen gibt, das Land aber kein einziges Gruppe-I-Rennen mehr besitzt, nicht einmal mehr das „Derby Italiano“. „Wir mussten handeln“, so Krüger.
Der Pattern-Ausschuss bewertet stets die Rennen der letzten drei Jahre, in die Wertung kommen die ersten vier Platzierten. Jedes Vollblut besitzt eine Wertungsziffer, in Deutschland Generalausgleichsgewicht (GAG) genannt, um die Leistungen international vergleichbar zu machen. Je höher das GAG, desto besser das Pferd. Um das Ranking der Rennen zu steigern, seien eine drastische Erhöhung der Rennpreise oder eine radikale Termin- oder Distanzveränderung keine realistischen Alternativen gewesen, so der Galoppfunktionär. Deshalb entschloss sich der Verband zu einem anderen Weg, um mehr hochklassige Pferde anzulocken: Seit zwei Jahren besteht die Möglichkeit, kostenfrei nachzumelden, wenn die Pferde bestimmte europäische Spitzenrennen gewinnen oder vorne platziert sind.
Ein Rennen wie die „Diana“ hat eine lange Vorlaufzeit. Besitzer müssen sich gut neun Monate vorher entscheiden, ob ihr Pferd gut genug dafür scheint. Wenn es am Ende tatsächlich startet, hat dies 6000 Euro gekostet. Eine Nachnennung, die wenige Tage vor dem Rennen möglich ist, kostet zehn Prozent des gesamten Preisgelds, in diesem Fall 50.000 Euro. Durch die sogenannte „Win and you’re in“-Regelung kostet die Nachmeldung jedoch nichts. Unfair meinen einige im Galoppsport, doch Krüger ist überzeugt: „Es ist viel schlimmer, den Gruppe-I-Status zu verlieren, als einige ausländische Siege zu verkraften.“
Der Düsseldorfer Rennausgang war aus Sicht der deutschen Vollblutzucht ideal. Zum ersten Mal seit Einführung der neuen Regel vor zwei Jahren lief ein so nachgenanntes Pferd unter die ersten vier und hob damit das Ranking des Rennens deutlich an. Und doch gab es mit Soreanga ein in Deutschland gezogenes Pferd, das besser als die internationale Konkurrenz war. Anfang Juli beim „Deutschen Derby“ lief es nicht so gut: Der aus England nachgenannte Bay Of Brilliance, zuvor immerhin Vierter in der „Mutter aller Derbys“, dem „Epsom Derby“, kam mit dem nassen Geläuf in Hamburg nicht zurecht und wurde nur Vorletzter.
Durch Dardanos gab es einen völligen Außenseiter-Erfolg. Der Hengst, der wie Soreanga von Wöhler trainiert wird, muss noch beweisen, ob er internationale Klasse besitzt. Am Ende des Jahres wird abgerechnet, wo sein GAG steht, und was das für das Derby bedeutet. Doch Krüger wird weiter für die deutschen Klassiker kämpfen: „Der Pattern-Ausschuss weiß zu schätzen, dass wir uns international öffnen und uns dem Wettbewerb stellen.“
