Seit mehr als einem Monat saniert die Gesellschaft DB Infra Go die Bahnstrecke auf der rechtsrheinischen Seite zwischen Wiesbaden und Troisdorf bei Bonn. Gleise, Weichen, Stellwerke und insgesamt 36 Bahnhöfe werden erneuert und modernisiert. Am 12. Dezember sollen die Arbeiten, die insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro kosten, abgeschlossen sein. Bis jetzt sieht es so aus, als könnte die Bahn ihren Zeitplan halten.
Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) war am Mittwochabend in Rüdesheim, wo eine neue Bahnstation errichtet wird. Dort traf er auf zufriedene Bahnmitarbeiter und verdeutlichte die Relevanz der sogenannten Korridorsanierung. „Alle Verkehrsströme fließen am Ende durch Hessen, deswegen steht unsere Infrastruktur immer unter besonderer Belastung“, sagte der Minister.
„Wir sind mit unseren Arbeiten komplett im Plan“, erläuterte Projektleiter Frank Schmidt auf der Baustelle am Rüdesheimer Rheinufer. Obwohl die hohen Temperaturen zeitweise Schweißarbeiten an den Schienen verhinderten und die Logistik im engen Rheintal eine Herausforderung darstellt, rechnet Schmidt nicht mit einer Verzögerung der Arbeiten. Etwa 2300 Arbeiter sind zeitgleich an den verschiedenen Streckenabschnitten tätig; allein in Rüdesheim sind mehr als 70 Personen damit beschäftigt, den Bahnhof in Richtung Stadtkern zu verlegen.
Neuer Bahnhof wird barrierefrei
Da der alte Bahnhof im westlichen Teil nicht so hätte erneuert werden können, dass er aktuellen Ansprüchen entspricht, entsteht weiter östlich eine neue und barrierefreie Station. In Höhe des Hafenparks werden jeweils zwei etwa 210 Meter lange Bahnsteige gebaut, die über zwei Treppen und eine Rampe erreichbar sind. Damit kann die neue Bahnstation direkt vom Rheinufer aus, wo Hotel- und Ausflugsschiffe festmachen, zu Fuß erreicht werden. Die Entfernung zu den Anlegestellen beträgt etwa 30 Meter. Das privat genutzte Empfangsgebäude des alten Bahnhofs und die Gleisanlagen bleiben erhalten, während die Bahnsteige nach der Fertigstellung der neuen Station zurückgebaut werden.

Die Arbeiten im Rheintal sind laut Schmidt nicht einfach. „Die Bodenverhältnisse stellen besondere Herausforderungen dar, es gibt Fels-, Schiefer- und Sandböden“, sagte er. Das Niedrigwasser störe die Arbeiten nicht, denn es würden keine Materialien über den Rhein an die jeweiligen Baustellen transportiert. 80 Kilometer Gleise werden entlang der Strecke umgebaut. Das betrifft auch Rüdesheim, wo Abstellgleise und Überholgleise in Ordnung gebracht werden.
Zudem werden insgesamt 88 Weichen erneuert. Ziel ist unter anderem, an einem Abzweig eine höhere Geschwindigkeit fahren zu können. Von den bestehenden 15 Stellwerken sind bereits elf auf elektronischen Betrieb umgestellt. In Rüdesheim wurde bisher noch ein älteres Relais-Stellwerk genutzt, das aber ebenfalls ausgetauscht werden wird. Mithilfe der neuen Technik soll die Strecke flexibler, sicherer und zuverlässiger werden. Das werden die Pendler im Rheingau gerne hören, denn die Regionalbahnlinien RB9 und RB10 galten als sehr unzuverlässig.

„Wir modernisieren insgesamt zwölf Bahnhöfe“, sagte Stefan Schwinn, Regionalleiter für Personenbahnhöfe der DB Infra Go. Das Investitionsvolumen in Hessen liege bei einer halben Milliarde Euro. Alle Stationen werden nach einem einheitlichen Farbschema gestaltet. Zudem werden sie mit Stelen ausgestattet, auf denen die Kommunen ihre touristischen Angebote präsentieren können.
Neuer Anlauf für Tunnel unter den Gleisen
Auch nach Abschluss der Sanierung bleibt in Rüdesheim ein Problem, über das seit vielen Jahrzehnten diskutiert wird. Wenn am Bahnübergang an der Bundesstraße 42 die Schranken geschlossen sind, staut sich der Verkehr. In manchen Fällen müssen Autofahrer eine Viertelstunde warten, bevor sie weiterfahren können. Landrat Sandro Zehner, der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch und der Landtagsabgeordnete Ingo Schon (alle CDU) haben nach einem Bericht des „Wiesbadener Kuriers“ abermals einen Anlauf unternommen, um den Bau eines Tunnels zu erreichen.
„Ich unterstütze das“, sagte Bürgermeister Dirk Stuckert (parteilos). „Jetzt haben wir die Chance, dass wir das endlich hinbekommen.“ Zuvor müsse aber die UNESCO entscheiden, ob nicht auch eine Überführung infrage kommt, denn das Mittelrheintal ist Weltkulturerbe der UNESCO. Mit einer Entscheidung wird noch in diesem Jahr gerechnet.
Es geht aber auch um die Finanzierung, denn der Bund müsste den Tunnel bezahlen. Stuckert rechnet mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Er dringt aber auf den Bau, weil im Notfall auch die Rettungsdienste an der geschlossenen Schranke stünden.
