
Deutschlands Autoindustrie bekommt in China partout keinen Boden unter die Füße. Obgleich sie alle politischen Bedenken hinsichtlich ihres Chinageschäfts in den Wind schlägt und Milliarden in Innovationszentren im Reich der Mitte pumpt, schafft sie es nicht, die Kunden zu überzeugen. Sie redet sich die Lage schön und behauptet, Premiumautos verkauften sich in Chinas Wirtschaftskrise nicht. Es ist eine skurrile Ausrede. Denn sie bedeutet, dass fünf Meter lange Autos mit Kühlschränken, Massagefunktionen selbst für die Rücksitze, riesigen Bildschirmen, Sprachsteuerung und autonomen Fahrfunktionen, die in Europa nicht mal Luxusautos kennen, kein Premium sein sollen. Nur weil diese Autos in China schon für umgerechnet 30.000 bis 40.000 Euro zu haben sind.
BYD will 2030 an der Weltspitze stehen
Dennoch besteht die einzige sinnvolle Antwort trotz berechtigter Sorgen vor Abhängigkeiten darin, die Entwicklung noch stärker nach China zu verlagern. Europas industrielles Ökosystem für das autonome Fahren und den Elektroantrieb ist derzeit nicht wettbewerbsfähig. Die größte Gefahr für Unternehmen wird immer sein, technologisch abgehängt zu werden. Schon heute bringt VW deshalb seine besten Autos in China auf die Straße und hat bisher keine Pläne, diese auch in der Heimat zu verkaufen.
In Europa verstärkt sich verständlicherweise die Tendenz, sich vor Chinas Exportmacht zu schützen. Die Politik läuft damit Gefahr, die Konzerne zu Regionalphänomenen zu degradieren. Diese Abschottung mag Europas Herstellern auf dem Heimatmarkt helfen. Sie hilft keinen Deut, wenn es um die Konkurrenzfähigkeit deutscher Autohersteller auf dem Weltmarkt geht.
Dort gibt China immer stärker den Takt vor. Der Autoexport liegt dieses Jahr nach fünf Monaten bei vier Millionen Autos und wird im Gesamtjahr in Richtung zehn Millionen gehen. Zum Vergleich: In der EU wurden im Jahr 2025 knapp elf Millionen Autos verkauft. China exportiert bald mehr Autos, als die EU kauft. Der chinesische BYD-Konzern will trotz aller Herausforderungen bis 2030 der größte Autohersteller der Welt werden. Weder Brüssel noch Wolfsburg scheinen aktuell in der Lage, das verhindern zu können. Doch sie können die Grundlage dafür legen, dass es 2040 ein europäisches Unternehmen sein kann.
