Eine partielle Sonnenfinsternis lässt sich irgendwo in Europa im Durchschnitt alle zwei bis drei Jahre beobachten. Präsenzhauptversammlungen der Deutschen Bank sind seltener. Die letzte fand vor sieben Jahren statt, die nächste vielleicht erst in vier Jahren, 2030.
Am Donnerstag war es aber so, wie Aktionäre es bis zur Corona-Pandemie alle Jahre wieder gewohnt waren. Vor den Toren der Frankfurter Messe demonstrierte ein Bündnis aus Attac, Greenpeace Frankfurt und Urgewald gegen die Finanzierung fossiler Energieprojekte. Dafür haben sie sich vom Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly seinen Mottowagen „Brennendes Känguru“ ausgeliehen. Mit etwas Abstand haben rund 100 Mitarbeiter der Postbank Position bezogen. In der laufenden, von Warnstreiks begleiteten Tarifrunde liegen Management und Gewerkschaft noch weit auseinander.
Den persönlichen Kontakt mit den Aktionären nutzte Vorstandsvorsitzender Christian Sewing, um Stärke zu zeigen. „Wir wollen der erste Ansprechpartner für jedes europäische Unternehmen mit globalen Ambitionen sein“, sagt er. „Und wir wollen die erste Wahl für internationale Investoren sein, die in Europa Geschäft machen.“ So erläuterte er sein Ziel, das Institut zum „europäischen Champion zu machen“. Und erstmals machte er auch deutlich, wie er dieses Ziel an Kennzahlen festmacht. „Wir wollen in zentralen Geschäftsfeldern in Europa führend sein – auch bei den Renditen.“
Von der Defensive in die Offensive
Die Phase der Stabilisierung sei abgeschlossen, ließ Sewing die Anteilseigner wissen. Jetzt gelte es, von der Defensive in die Offensive umzuschalten. „Wir stehen auf einem starken Fundament, mit einer klaren Strategie und einem bewährten Geschäftsmodell.“ Mit dem will Deutschlands größte Geschäftsbank eine Eigenkapitalrendite von mehr als 13 Prozent bis Ende 2028 und zum gleichen Zeitpunkt eine Aufwand-Ertrag-Relation von unter 60 Prozent erreichen. „Außerdem wollen wir ein Ertragswachstum von durchschnittlich mehr als fünf Prozent im Jahr erreichen. Das würde die Erträge bis 2028 um fünf Milliarden auf rund 37 Milliarden Euro erhöhen. Rund zwei Milliarden Euro des Wachstums sollen aus dem deutschen Heimatmarkt kommen“, sagte Sewing auf der Hauptversammlung.

Zweifel an seinen Zielen, die einige Analysten als durchaus ambitioniert bezeichnen, versuchte Sewing zu zerstreuen. „Unsere Ziele haben wir bewusst konservativ gesetzt. Schon auf unserem Investorentag haben wir klargemacht: Eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent ist für uns die Untergrenze – wir trauen uns deutlich mehr zu.“
Geplant habe die Bank mit geringerem Wirtschaftswachstum, als es die damaligen Prognosen erwarten ließen. „Auch bei den Reformen in Deutschland haben wir nur das berücksichtigt, was bereits beschlossen war.“ Vor allem durch die Künstliche Intelligenz verspricht sich die Deutsche Bank mehr Effizienz. Ob das den Weg für einen weiteren Stellenabbau und damit niedrigere Kosten ebnet, ließ der neue Finanzvorstand Raja Akram offen: „Es ist noch zu früh, diese Frage zu entscheiden.“
Zu allen Anteilseignern konnte Sewing freilich nicht durchdringen. Zum einen waren einige Reihen in der Messehalle gänzlich unbesetzt, andere wurden mit Mitarbeitern „aufgefüllt“. Rund 1600 Aktionäre fanden den Weg nach Frankfurt. Das hat Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zur durchaus selbstkritischen Bemerkung veranlasst, dass es die „Verpflichtung der Aktionäre“ sei, „dass der Saal proppevoll ist“. Das „blutleere Format Vorstandsfernsehen“ lehnt Nieding aber ab. Es könnte den Anteilseignern schon wieder in den kommenden Jahren drohen.
Aber auch in der Sache konnten einige Redner Sewings Optimismus nicht teilen. „Seit Jahresbeginn hat die Aktie deutlich verloren – sowohl absolut als auch gegenüber dem europäischen Bankensektor. Sie notiert wieder unter dem materiellen Buchwert. Trotz des Rekordjahres 2025 und der erzielten Fortschritte glaubt der Markt noch nicht, dass die Deutsche Bank für stürmische Zeiten schon genug Wasser unter dem Kiel hat“, sagte Alexandra Annecke von der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment.
Die von Sewing formulierten Ziele „können aber mittelfristig trotzdem nur ein Zwischenschritt in der weiteren Profitabilitätsverbesserung sein“, sagte Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka Invest. Thomae sieht auch die Doppelrolle von Stefan Hoops als Chef der Fondstochtergesellschaft DWS und im Vorstand der Deutschen Bank kritisch.
Einige Redner kritisierten ebenfalls, dass als Wirtschaftsprüfer wieder EY gewählt werden soll. EY spielte im Wirecard-Betrugsskandal vor sechs Jahren eine wenig rühmliche Rolle.
