
Der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) hat Flächen an einem traditionsreichen Standort zur Herstellung von Munition in Sachsen übernommen und will hier mehr als 100 Millionen Euro investieren. Das hat das Unternehmen am Dienstag mitgeteilt. Die deutsche Tochtergesellschaft CSG Energetic Materials Germany hat demnach ein 57 Hektar großes Industriegelände in Gnaschwitz erworben. Verkäufer ist das spanische Unternehmen Maxam, einer der größten Sprengstoffhersteller auf der Welt, der seit 2007 an dem Standort in der Nähe von Bautzen aktiv ist. Die Geschichte des Standorts reicht zurück bis zur Gründung der Königlich Sächsischen Pulverfabrik Gnaschwitz im Jahr 1874.
Für die börsennotierte CSG, die vom tschechischen Unternehmer Michal Strnad kontrolliert wird, ist es bereits die zweite Investition in einen traditionsreichen Produktionsstandort für die Herstellung von Munition in Deutschland. Im Frühling des vergangenen Jahres schloss das Unternehmen den Erwerb des Industrieparks Walsrode in Niedersachsen ab, wo seit 1879 Nitrocellulose hergestellt wird. Seit einem Jahr firmiert der Standort mit knapp 400 Beschäftigten als MSM Walsrode. Der slowakische Hersteller von Artillerie-Munition MSM ist Teil von CSG, zu der unter anderem auch der tschechische Fahrzeughersteller Tatra Trucks und der amerikanische Hersteller von Kleinkalibermunition Kinetic Group gehören.
Auf den neu erworbenen Flächen in Gnaschwitz will CSG neue Kapazitäten für die Herstellung von Nitroglycerin und anderen Produkten auf Nitroglycerinbasis errichten, die für die Produktion von Treibladungen für klein-, mittel-, und großkalibrige Munition verwendet werden sollen. „Die europäische Verteidigungsindustrie braucht nicht nur größere Produktionskapazitäten für Munition, sondern auch eine zuverlässige Versorgung mit strategischen energetischen Werkstoffen, ohne die keine Munition hergestellt werden kann“, sagte Jan Marinov, Geschäftsführer der Sparte CSG Defense Systems.
Mit den geplanten Investitionen in Gnaschwitz will CSG auch die Herstellung von Munition und Munitionskomponenten vorbereiten. Insgesamt sollen bis zu 125 Arbeitsplätze entstehen. Der Standort verfüge darüber hinaus über Kapazitäten für zusätzliche Erweiterungen, heißt es in der Mitteilung. Die vorhandene Infrastruktur biete Möglichkeiten für zusätzliche Projekte wie die Montage von Panzermunition und Mörsergranaten, die Herstellung von Munitionskomponenten sowie weitere Aktivitäten im Bereich der Verteidigungsindustrie.
