Draußen sind es zu Beginn der Vorstellung 37 Grad, und drinnen, in der Salzburger Felsenreitschule, riecht es am Ende nach Tier, genauer genommen nach Schaf, also streng. Die letzte große Opernpremiere der Festspiele – Olivier Messiaens Opus maximum Saint François d’Assise – ist eine kreatürliche Erfahrung.
Man sitzt und schwitzt, sechseinhalb Stunden lang, wird vom Sog der Musik angezogen und wieder ausgespuckt; man dämmert ein bisschen oder versucht den Nachbarn dazu zu bewegen, seinen Ellbogen bei sich zu behalten; man rätselt, worin das Faszinosum dieses Werks besteht, in dem es um Glauben geht, Spiritualität, Kirche, Katholizismus, Menschwerdung; man staunt über den monströsen musikalischen Apparat, den es dafür braucht, inklusive Schlagwerk, Stabspielen und drei Ondes Martenot (spezielle elektronische Instrumente); man leidet darunter, dass es im Stück neben acht Männerstimmen nur eine einzige Frauenstimme gibt, den Engel – und dann kommen die Schafe und wissen von nichts. Oder wissen eben: alles.
