
Offene Märkte, Globalisierung, Arbeitsteilung stehen gerade nicht ohne Widerstand da. Verhängt eine amerikanische Regierung willkürlich anmutende Zölle, engt China die Versorgung mit Rohstoffen ein, wird rasch der Ruf lauter nach hochzuziehenden Schutzwällen und der Konzentration auf Dinge, die vor der eigenen Haustür liegen.
In unserem Nachbarland Frankreich fällt in Spots im Radio und Anzeigen in den Zeitungen ein besonders ausgeprägtes Werben für lokale Produkte aus. Sie sind gut, wenn sie in Frankreich hergestellt sind oder doch wenigstens weiter- und endverarbeitet wurden. Das gilt vor allem für Lebensmittel. „J’aime le lait d’ici“ steht auf dem Milchkarton, wobei das Liebe ausdrückende Wort „aime“ als Herz mit bretonischer Flagge ausgestaltet ist. Aber auch alles mögliche andere wird mit Heimatliebe versehen, der Teig für die Crêpes, der Stoff für den Pulli, die Pflastersteine für den Hof, das Fleisch auf dem Grill.
Autos natürlich auch. Wir sind nicht sicher, ob Kunden von Audi wissen und sich darum scheren, dass ihr Modell aus Mexiko stammt. Dass der Mercedes-Benz oder ihr BMW aus Ungarn kommt, der Opel aus Spanien und manch urschwedischer Volvo nun sogar aus China. Renault preist derweil seinen elektrischen R5 auch damit an, er werde im Werk Douai montiert und schare sein Netz an Zulieferern in einem Umkreis von 300 Kilometern um sich, vollumfänglich fabriqué en France. Dagegen ist nichts einzuwenden, und wenn der Kunde es honoriert, umso schöner für Wertschöpfung und Arbeitsplätze.
Es steht dennoch zu vermuten, dass der über die Kraft der freiwilligen Verführung hinausreichende Gedanke an Protektionismus keinem Gewinn bringen wird. Unsereins geht am Wochenende freilich trotzdem in den Hofladen um die Ecke, weil es dort bestens schmeckt, die Verkäufer freundlich sind und man einfach ein gutes Gefühl mit einkauft.
