Donald Trump will den Größten haben. Einen Triumphbogen von 76 Meter Höhe, aus weißem Granit und mit goldenen Figuren. Höher als der Arc de Triomphe in Paris, der Triumphbogen in Pjöngjang und das Revolutionsdenkmal in Mexiko-Stadt. Schließlich seien die Vereinigten Staaten ja auch die größte, mächtigste Nation, findet Trump. Und er selbst der großartigste Präsident? Offiziell soll das 250 Fuß hohe Bauwerk eine Hommage an die 250-Jahr-Feier der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung werden. Aber auf die Frage eines Journalisten, für wen der Bogen sei, gab Trump während der ersten Vorstellung zurück: „mich“.
In seiner ersten Amtszeit beließ der Republikaner es bei kosmetischen Veränderungen im Weißen Haus, wie sie jedem Präsidenten zustehen. Doch seit dem vergangenen Jahr hat Trump architektonische Entscheidungen für die amerikanische Hauptstadt und den Sitz des Präsidenten getroffen, die sich nicht einfach rückgängig machen lassen. Hält er sich an die Verfassung, ist es seine zweite und letzte Amtszeit. Umso dringlicher scheint der Wunsch, das Gesicht Washingtons bleibend zu verändern.

Architekturfachmann Martin Moeller ist einer, der am Telefon viel dazu zu sagen hat. Er war viele Jahre Kurator des Nationalen Architekturmuseums in Washington und lebt jetzt in Miami, kann im Geiste aber durch jeden Winkel der Hauptstadt laufen. Was da unter Trump gerade passiert, nennt er in Anlehnung an den Ödipus-Komplex „Edifice Complex“, den architektonischen Geltungsdrang von Staatsoberhäuptern. „Wir haben das über Jahrhunderte hinweg auf der ganzen Welt gesehen“, sagt Moeller. Präsidenten, vor allem in autoritären Regimen, hätten seit jeher das Bedürfnis, ihrer Hauptstadt den eigenen Stempel aufzudrücken.
Rosengarten betoniert, Ostflügel des Weißen Hauses abgerissen
Moeller hat sein Leben der Washingtoner Architektur gewidmet: Er hat einen Architekturführer für die Stadt geschrieben, gibt das Magazin „Architecture DC“ heraus und hat in mehr als zwanzig Jahren als Kurator viele Debatten über Denkmäler und Gebäude in Washington miterlebt. Er weiß, dass der Prozess schwierig sein kann. Was unter Trump gerade passiert, findet er „nicht überraschend, aber extrem frustrierend“. Vor allem weil in vielen Fällen die üblichen Abläufe missachtet oder zuständige Beratungskommissionen mit Loyalisten des Präsidenten besetzt wurden.
Knapp eineinhalb Jahre nach Trumps Amtsantritt ist die Liste der (geplanten) Veränderungen in Washington lang. Seit Juli 2025 ist der Rasen des Rosengartens im Weißen Haus zubetoniert. Als Trump dann noch Tische und Sonnenschirme aufstellte, witzelten Kritiker, besser hätte eine amerikanische Fast-Food-Kette das auch nicht machen können. Er selbst gab später zu, mit dem reflektierenden hellen Boden werde es im Sommer ziemlich heiß, das habe er nicht bedacht.
Im Oktober wurde ohne Vorwarnung der Ostflügel des Gebäudes für den geplanten neoklassizistischen Ballsaal abgerissen. Der sei ohnehin „baufällig gewesen“, behauptete Trump. Wo gerade ein Loch klafft und Dutzende Baumaschinen stehen, soll ein mehr als 8000 Quadratmeter großer Bau mit Säulenoptik entstehen. Im selben Monat stellte Trump auch seine Pläne für den Triumphbogen der Superlative vor: dreimal so hoch wie das Brandenburger Tor, mit einer goldenen geflügelten Figur an der Spitze, die der Freiheitsstatue ähnelt.


Im November sprach Trump zum ersten Mal davon, den grauen Granit des Eisenhower-Gebäudes im Pariser Haussmann-Stil von 1888 weiß streichen zu lassen wie das benachbarte Weiße Haus. Einen Monat später ließ er den eigenen Namen am Kennedy-Center hinzufügen, das 1971 als „lebendiges Denkmal“ für John F. Kennedy eröffnet wurde. Ein Schritt, den ein Richter jüngst für unzulässig erklärte. Im Mai dieses Jahres dann wurde das graue Reflexionsbecken am Lincoln-Denkmal für rund 13 Millionen Dollar „Amerika-Flaggen-Blau“ gestrichen.
Auch für seinen 80. Geburtstag an diesem Sonntag hat der Präsident sich etwas Besonderes ausgedacht. Er will ihn mit einem Kampfsportevent begehen, für das ein achteckiger Metallkäfig hinter dem Weißen Haus aufgebaut wurde. Gewogen werden die Kämpfer auf einer Plattform vor dem Lincoln-Denkmal auf der National Mall. Offiziell ist auch dieses Spektakel Teil des nationalen Jubiläumsprogramms zur Unabhängigkeit. Aber Trump hat schon angemerkt, vielleicht werde man die das Weiße Haus überragende Konstruktion auch „nie wieder abbauen“.
An Washingtons Mischung aus Klassizismus, Moderne und Brutalismus haben sich schon viele Architekturkritiker abgearbeitet. Auch Moeller kann ohne Zögern ein paar Gebäude nennen, die er nicht vermissen würde. Das wuchtige, brutalistische FBI-Hauptquartier in der Innenstadt zum Beispiel. Aber Trumps Änderungswut hat System. Die Stadt, die er nach dem Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol im Januar 2021 zunächst als Geächteter verließ, hat seit dem Erhalt ihres Stimmrechts 1961 noch nie für einen republikanischen Präsidenten gestimmt. Nun soll man sich dort für immer an Trump erinnern.

Um ernsthafte architektonische Fragen gehe es dem Präsidenten nicht, sagt Moeller, und um die Verschönerung der Stadt auch nur bedingt. Warum überlege er sonst, den aus den Vereinigten Staaten stammenden Granit des Eisenhower-Gebäudes zu streichen und ihn dadurch möglicherweise zu beschädigen? Der Ballsaal sei außerdem mit voller Absicht so geplant worden, dass er das Weiße Haus mit seinen Dimensionen in „völliger Unkenntnis“ klassizistischer Gestaltungsregeln übertrumpfe. Und im Falle des Reflexionsbeckens, sagt Moeller, könne er nur vermuten, dass Trump den „Reflection Pond“ an einem bewölkten Tag angeschaut und dann gedacht habe, er müsse gestrichen werden, „weil er grau ist“.
Eine Beratungskommission nach Trumps Vorstellung
Das Weiße Haus stellt das alles freilich anders dar. Zu Trumps Versprechen, die „verwahrloste“ Hauptstadt aufzuräumen und zum Spiegelbild der amerikanischen Großartigkeit zu machen, gehören auch die vielfältigen architektonischen Eingriffe. Washington müsse „Wachstum“ zulassen, nannte es der Vorsitzende der Commission of Fine Arts, Rodney Mims Cook Jr., nachdem die unabhängige Bundesbehörde den Vorschlag für Trumps maximalistischen Triumphbogen hatte passieren lassen.
Die Zustimmung kam nicht überraschend: Trump hatte das Gremium zuvor mit ihm wohlgesinnten Leuten besetzt. Die sechs von Joe Biden ernannten Mitglieder der Beratungskommission für städtische Denkmäler und Großprojekte, deren Empfehlungen sich das Weiße Haus üblicherweise anschließt, entließ er kurz vor der Abstimmung.
Das Weiße Haus spricht in Bezug auf den geplanten Triumphbogen von einem der „ikonischsten Wahrzeichen nicht nur Washingtons, sondern der ganzen Welt“. Genau daran stören sich viele Historiker und Architekturfachleute. Das Bauwerk verändere das Zusammenspiel der bereits bestehenden Denkmäler in der Gegend.
Der Bogen soll auf einem Verkehrskreisel am Ufer des Potomac in der Sichtachse zwischen dem Lincoln Memorial am Ende der National Mall und dem Arlington National Cemetery stehen. Das empört einige Kritiker schon allein baulich: Sie werfen dem Weißen Haus vor, der Bogen überrage den Nationalfriedhof auf unangemessene Weise und lenke vom Lincoln-Denkmal ab, das nicht einmal halb so hoch wäre.

Diese Sichtachse gilt Historikern als Symbol nationaler Versöhnung: vom Denkmal Präsident Abraham Lincolns, der die Vereinigten Staaten im Bürgerkrieg zusammenhielt, zum Arlington House auf dem Gelände des Friedhofs, das der frühere Wohnsitz des Südstaatengenerals Robert E. Lee war. Architekturfachmann Moeller sagt: „Traditionell wurden diese Bögen errichtet, um einen Sieg zu feiern, oft durch ein imperialistisches Regime.“ In diesem Fall gebe es aber „nichts zu feiern“. Es gehe Trump allein darum, dauerhaften Einfluss auf das Stadtbild zu nehmen. „Hier geht es um das Ego.“
20 Arbeitsstunden am Tag für den Triumphbogen
Das Weiße Haus stellt das anders dar. Es hebt im Zuge des Projekts die siegreiche Geschichte der Vereinigten Staaten in den vergangenen 250 Jahren hervor. Aber es scheint auch um Trump zu gehen: Laut Unterlagen des National Park Service soll der Triumphbogen in Rekordgeschwindigkeit errichtet werden, damit er eventuell noch bis zum Ende seiner Amtszeit fertig wird. Geplant sind zwanzig Arbeitsstunden pro Tag, das ganze Jahr über. Einige Unternehmen sollen die Mitarbeit schon abgelehnt haben, weil sie befürchten, den Zeitplan nicht einhalten zu können.
Das Projekt muss noch einige Hürden nehmen. Die Stadt- und Raumplanungsbehörde des Bundes, die Bauprojekte auf öffentlichem Grund genehmigen muss, hat ihre Zustimmung noch nicht gegeben. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Höhe des Bogens mit dem nur wenige Kilometer entfernt liegenden Stadtflughafen vereinbar ist. Ob Trump sich an ein Nein des Gremiums halten würde, das er ebenfalls in Teilen neu besetzt hat, ist allerdings fraglich. Die Bundesluftfahrtbehörde FAA hat den Bogen als sicher für den Flugverkehr eingestuft – mit roten Warnlichtern in der Nacht.

Außerdem gibt es juristischen Widerstand. Vietnamveteranen haben vor einem Gericht in Washington gegen den Bau geklagt. Sie argumentieren, der Triumphbogen sei ein „Eitelkeitsprojekt“ und respektlos gegenüber den auf dem Arlington-Friedhof Begrabenen. Außerdem müsse es vom Kongress genehmigt werden. Dem stimmen die Demokraten zu.
Ein Gesetz sieht vor, dass als geschütztes Land deklarierte Gebiete wie der für den Bogen vorgesehene Memorial Circle im Falle von Bauprojekten die Zustimmung des Kongresses benötigen. Trump behauptet aber, man „brauche nichts vom Kongress“. Ein anderer möglicher Streitpunkt ist das Geld: Wie viel der Bau kosten würde, ist bislang nicht bekannt; Pläne legen jedoch nahe, dass in Kombination mit Privatspenden auch Steuergeld in das Projekt fließen würde.
Während Trump im Falle des Triumphbogens demokratische Kontrollinstanzen umgehen will, beschwört er auf dem Papier die staatstragende Rolle der Architektur. Ein Erlass aus dem vergangenen Jahr schreibt einen klassizistischen Stil für Bundesgebäude vor und spricht sich explizit gegen „modernistische und brutalistische“ Bauten aus. Das Dokument trägt den Titel „Bundesgebäude wieder schön machen“ und nimmt Bezug auf die amerikanischen Gründerväter und das antike Rom und Athen. Damals, so heißt es dort, habe man die Bürger mit dieser Architektur nicht nur an ihre Rechte, sondern auch an ihre Pflichten zur Bewahrung ihrer Institutionen erinnert.
Der Impuls, sich für Bundesgebäude wieder die Antike zum Vorbild zu nehmen, kam zum Ende seiner ersten Amtszeit – und nicht von Trump selbst, sondern von der konservativen National Civic Art Society. Die Gruppe hat es sich nach eigener Aussage zur Aufgabe gemacht, für eine klassische Tradition in der öffentlichen Architektur zu kämpfen. Ihr Vorsitzender schlug in einem Gastbeitrag für das „Wall Street Journal“ jüngst vor, auch das neue Football-Stadion in Washington könne im Stile des Kolosseums in Rom erbaut werden.
Neuer Geschmack als Präsident
Trump ließ sich von den Schmeicheleien und Argumenten der Gruppe offenbar überzeugen. Architekturfachmann Moeller findet das bizarr. „Als Immobilienentwickler hatte Trump interessanterweise nie Interesse an historischer Architektur, an Klassizismus.“ Die meisten Trump-Tower auf der ganzen Welt seien gläserne Wolkenkratzer. Als Präsident scheint sich Trumps Geschmack verändert zu haben. Moeller verweist auf den italienischen Schriftsteller Umberto Eco, der zu den 14 Merkmalen des „Urfaschismus“ auch den „Traditionskult“ und die „Ablehnung der Moderne“ zählte.

Der Klassizismus sei eine wunderschöne historische Bauweise, hebt Moeller hervor, aber man könne Baustile im 21. Jahrhundert nicht einfach replizieren. Sie seien heute energetisch unverantwortlich, verschwenderisch und ignorierten moderne Standards wie die Barrierefreiheit. Das sei so, als halte er an der Universität eine Vorlesung im Englisch Shakespeares, sagt Moeller. „Ich liebe Shakespeare, aber wir sprechen heute nicht mehr so.“ Und genauso wenig lasse sich Architektur kopieren, „ohne dass es lächerlich wirkt“.
Wider die „Architekturelite“
Geht es nach Trump, tut er all das zum Wohle der Amerikaner. In seinem Erlass heißt es, frühere architektonische Entscheidungen in Washington seien häufig „unter geringer Beachtung lokaler Einwände oder regionaler ästhetischer Präferenzen“ getroffen worden. Diese hätten zwar die „Architekturelite“ beeindruckt, „aber nicht die Amerikaner, denen diese Gebäude dienen sollten“. Das will Moeller im Falle einiger Gebäude gar nicht bestreiten; doch immerhin habe es mit Fachleuten besetzte Kommissionen gegeben, um an Vorschlägen zu arbeiten.
Laut Umfragen lehnt mehr als die Hälfte der Amerikaner sowohl den geplanten Triumphbogen als auch den neuen Ballsaal ab, der gerade gebaut wird. Präsident Trump hatte versprochen, er werde die Umbauten am Weißen Haus vornehmen, ohne die ursprüngliche Struktur anzutasten. Dann kamen am 20. Oktober 2025 die Abrissbagger. Inzwischen laufen Klagen gegen das Bauprojekt, aber von der alten Substanz ist nichts mehr übrig.
Trump, sagt Moeller, berufe sich öffentlich zwar auf den Sicherheitsaspekt und die Größe des neuen Ballsaals. Er hat das Großprojekt, für dessen 400 Millionen Dollar Kosten Privatspender aufkommen sollen, mehrfach als „Geschenk“ für die Amerikaner bezeichnet. Eigentlich gehe es dem Republikaner aber um etwas anderes: Künftige Präsidenten, so hoffe er, sollten auf den Truman-Balkon im zweiten Stock des Weißen Hauses treten, über den Südrasen schauen „und diese Hommage an Trump in all ihrer unangemessenen Größe sehen müssen“.
