Das Gelsenkirchen des Jahres 1978 mag man auf Anhieb nicht für den Schauplatz bedeutender Ereignisse halten. Aber das täuscht, denn 29 weibliche Angestellte des Fotolabors Heinze taten sich in diesem Jahr zusammen, um dafür zu streiten, das gleiche Gehalt zu bekommen wie ihre männlichen Kollegen, da sie die gleiche Arbeit verrichteten. Sie hatten die Männer schließlich selbst angelernt. Drei Jahre dauerte der Kampf, bis schließlich im Jahr 1981 das Arbeitsgericht in Kassel festlegte, dass den Frauen der gleiche Lohn zustünde. Ein wegweisendes Urteil, das in ganz Deutschland wahrgenommen wurde.
„Ich bin über den Stoff wirklich gestolpert“, berichtet die Hofheimer Autorin Deike Wichmann. Ihr erstes Buch „Die Unbeirrbaren“ führte ins Bonn der Nachkriegszeit, zu den Müttern des Grundgesetzes, erzählt von Elisabeth Selberts fiktiver Sekretärin Ilsa. Nun hat sie sich mit dem zweiten Roman „Weil wir gleich sind“ abermals einem historischen Frauenrechtsthema zugewandt. Auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung stieß sie auf einen kleinen Absatz über die Heinze-Frauen, wurde neugierig und begann zu recherchieren. „Die Quellenlage ist sehr gut“, sagt Wichmann.

Zahlreiche Zeitzeugen wussten von den Heinze-Frauen zu berichten. Allen voran Marianne Kaiser, damals bei der Volkshochschule angestellt, die den Frauen half und den Prozess als inoffizielle Chronistin genau dokumentierte. Viele Details konnte auch der Sohn einer spanischen Laborantin beisteuern. „Er wusste noch genau, wo es Currywurst gab und wie viel sie gekostet hat“, sagt Wichmann. Dazu kommt ein ganzes Konvolut an Unterlagen, Aufklebern, Zeitungsartikeln. Sogar eine Schallplatte mit Liedern, die zusammen mit der Protestsängerin Fasia Jansen entstanden, wurde von der Gewerkschaft Druck und Papier herausgegeben. Der gesungene Schlachtruf „Keiner schiebt uns weg“ wurde zum Motto der Bewegung.
Auch wenn die Figuren wie die Protagonistin Henni fiktiv sind und das Fotolabor im Buch „Blitzlicht“ heißt, so hat Wichmann viel Regional- und Zeitspezifisches untergebracht. Vom „Bütterken“, das beim Protest in der Brotdose nicht fehlen darf, bis hin zu der wenig gleichberechtigten Dynamik von Hennis Ehe mit Gatte Jo, den sie sich, in den Worten ihrer Mutter, „angelacht“ habe. Um sich ins Ruhrgebiet dieser Zeit einzufühlen, habe sie zahlreiche „Tatort“-Folgen mit Kommissar Schimanski geschaut, sagt Wichmann.
Diesmal hatte sie weniger Zeit als beim ersten Buch, der Verlag wartete schon auf das Manuskript. Also schrieb Wichmann im Urlaub, am Wochenende und am freien Montag. Sie schrieb am Rand des Fußballfeldes und im Schwimmbad am Beckenrand. Die Fahnen korrigierte sie im Foyer des Kelkheimer Kinos, während die Kinder im Saal mit Checker Tobi um die Welt reisten. Die Figuren standen da schon fest und auch der Zeitstrahl, was im Buch wann genau passiert.
