Nach Bekanntwerden einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der Eliteuniversität Cornell haben sich Hunderte Studierende und Unterstützer auf dem Campus im US-Bundesstaat New York zum Protest versammelt. Unter dem Motto »Gerechtigkeit für Überlebende« forderten sie unter anderem Änderungen am Verfahren der Universität für den Umgang mit Beschwerden wegen sexueller Übergriffe. Zudem verlangten sie weitere Strafen im Kontext der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung durch zahlreiche Männer im Haus einer Studentenverbindung im Oktober 2024.
Die Teilnehmenden der Demonstration trugen am Montag unter anderem violettfarbene Schleifen und Schilder mit der Aufschrift »Gerechtigkeit für jede Jane Doe«. »Jane Doe« ist in den USA der gebräuchliche Platzhaltername in Gerichtsakten, wenn die Anonymität der betroffenen Person gewahrt werden soll oder ihre Identität unbekannt ist. Das mutmaßliche Opfer hat die Universität, sieben ehemalige Studenten, die Studentenverbindung und weitere Parteien verklagt.
Die Frau wirft sieben Männern vor, sie in einem Haus der Studentenverbindung Chi Phi auf dem Gelände der Universität sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Ihr seien Alkohol und Drogen zugeführt worden. Die damals 20-jährige Betroffene wandte sich nach eigenen Angaben rund drei Wochen nach dem Vorfall an die Campuspolizei. Ihre Aussagen führten jedoch nicht zu einem Verfahren.
Anwälte von zwei der ehemaligen Studenten haben eine Beteiligung ihrer Mandanten an der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung bestritten. Gerichtsunterlagen zufolge gaben einige der Beschuldigten bei einer Befragung durch Ermittler der Universität an, dass es sich um einvernehmliche sexuelle Aktivitäten gehandelt habe.
Studentenzeitung machte Fall öffentlich
Der Fernsehsender CBS berichtete in der vergangenen Woche von Snapchat-Nachrichten, die in der Nacht des mutmaßlichen Übergriffs von zahlreichen Mitgliedern einer Gruppe namens Chi Phi Actives ausgetauscht wurden. In einer der Nachrichten soll einer der Männer andere zum Mitmachen aufgefordert haben.
Die Studentenzeitung der Cornell University hatte den Fall ans Licht gebracht. Er wirft unter anderem Fragen darüber auf, was die Universität, die Campuspolizei und der zuständige Bezirksstaatsanwalt unternahmen, als sich die Betroffene im November 2024 an die Polizei wandte. Sie berichtete damals, sie sei sich absolut sicher, vergewaltigt worden zu sein.
Bislang gab es keine strafrechtlichen Anklagen. Die örtliche Chi-Phi-Verbindung wurde 2024 vom Campus ausgeschlossen. Die Universität teilte mit, sie habe einige Studenten aus der Hochschule ausgeschlossen und andere suspendiert. Das mutmaßliche Opfer hatte Angaben der New York Times zufolge im August 2022 ihr Bachelorstudium an der Universität begonnen, es jedoch nach der mutmaßlichen Vergewaltigung abgebrochen.
Gouverneurin will strafrechtliche Ermittlungen
Der Fall sorgte landesweit für Empörung. Die Gouverneurin des US-Bundesstaats New York, Kathy Hochul, bat die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaats, die strafrechtlichen Ermittlungen in dem Fall zu übernehmen. Zudem forderte Hochul eine unabhängige Untersuchung dazu, wie die Universität mit dem Fall umgegangen ist.
Das Hauptverwaltungsgebäude der Cornell-Universität war in der Nacht zu Montag mit Graffiti besprüht worden. Auch eine Glastür wurde beschädigt. Auf den Wänden daneben waren in Rot Botschaften geschrieben, die sich gegen das Patriarchat und die Reaktion der Universität auf Vorwürfe des sexuellen Angriffs richteten. Die Universität hat Ermittlungen eingeleitet. Der Präsident der Universität, Michael Kotlikoff, hatte sich am Samstag in einem Video bedrückt über den mutmaßlichen Vergewaltigungsfall geäußert.
