
Die Fluggesellschaft Condor hat als mögliche Käufer auch Airlines aus dem Golf oder der Türkei im Blick. Wie Condor-Chef Peter Gerber jüngst in einem Interview mit dem „Stern“ sagte, sei man angesichts des erwarteten Ausstiegs der SG Luftfahrtgesellschaft, die im Auftrag des Bundes und des Landes Hessen 49 Prozent der Anteile hält, mit mehreren möglichen Partnern im Gespräch. Schon seit Längerem ist der britische Finanzinvestor Attestor, der 49 Prozent der Anteile der Fluggesellschaft hält, auf der Suche nach einem strategischen Partner. Zwei Prozent hält die PBS Treuhand GmbH aus Frankfurt, deren Geschäftsanteile wiederum von Peter Smeets gehalten werden.
Die deutsche Nummer zwei hinter der Lufthansa ist eine der letzten unabhängigen Airlines dieser Größe, die sich bislang keiner der großen Allianzen angeschlossen hat. Gerber sagte aber jüngst, dass man „kein Prophet sein“ müsse, um festzustellen, „dass sich Condor wahrscheinlich an einem größeren Konglomerat andocken wird“.
Lufthansa kommt allein aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht infrage. Mögliche Partner könnten aber auch die anderen großen Gruppen in Europa sein, also Air France-KLM oder die IAG-Gruppe um British Airways. Gerber sagte zudem jüngst, dass auch die Netzwerk-Carrier vom Golf, Emirates, Etihad und Qatar Airways, als „starke Anbieter“ interessant seien. Auch Turkish Airways sei stark an einem Wachstum in Europa interessiert.
Investorensuche wird von aktueller Lage erschwert
Finanziell steht Condor recht solide dar: Die Hilfskredite, die man während der Pandemie erhalten hatte, wurden im Frühjahr zurückgezahlt, was die Position bei der Suche nach einem Investor stärkt, in einer Zeit, in der es für Fluggesellschaften angesichts der Weltlage und der Debatten um die Kerosinversorgung nicht so ganz einfach sein dürfte, einen solchen zu finden.
Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr Umsatz und Passagierzahlen deutlich gesteigert. Hohe Ausgaben für die Flottenmodernisierung und den Aufbau eines eigenen Zubringernetzes belasteten jedoch die Bilanz. Die Gesellschaft baut seit einiger Zeit ihr Angebot um, weg vom klassischen Ferienflieger hin zum Allround-Carrier, der auch für Geschäftsleute interessant werden soll. Das Fernstreckennetz soll wachsen, das Zubringernetz innerhalb Deutschlands nach Frankfurt wird ausgebaut.
Beobachter äußern angesichts der Investorensuche bereits Bedenken, weil sie Parallelen zu Air Berlin sehen. Etihad hatte seine Anteile bei der schon angeschlagenen Gesellschaft im Dezember 2011 stark aufgestockt, weil es sich einen leichteren Zugang zum europäischen Streckennetz versprach. Doch für Air Berlin ging es danach weiter bergab. Im August 2017 beendete Etihad die weitere finanzielle Unterstützung, Air Berlin ging in die Insolvenz.
Auch ohne die Lufthansa gut aufgestellt
Ähnliches wird nun für Condor befürchtet. So war jüngst aus dem Flughafenverband ADV zu hören, dass es im deutschen Markt mit Blick auf Lufthansa zwar Wettbewerb brauche, man aber angesichts der Condor-Gespräche mit Etihad oder Emirates „Bauchschmerzen“ habe.
Gerber wies die Bedenken jüngst zurück, Condor sei nicht Air Berlin, sondern solide aufgestellt, und Etihad würde so etwas wie mit Air Berlin nicht noch einmal passieren. Zudem mache Condor operativ einiges anders, habe statt Berlin und Düsseldorf mit dem Standort Frankfurt einen Flughafen, der groß genug sei für Zubringer aus allen Richtungen. Die Flotte sei aufgeräumter, setzt man doch komplett auf Airbus, während Air Berlin auch durch die Zukäufe eine komplexe Flotte hatte, die viel Geld für Wartungen und Schulungen verschlang.
Das Zubringernetz musste Condor aufbauen, nachdem Lufthansa ein Abkommen über die Nutzung des Zubringernetzes des großen Konkurrenten gekündigt hatte. Nach mehrjährigem Rechtsstreit ist seit vergangenem Jahr eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf rechtskräftig, das die vorherige Entscheidung des Bundeskartellamts, das Lufthansa einen Missbrauch von Marktmacht bescheinigt hatte, wegen Verfahrensfehlern der Kartellbehörde aufgelöst hatte. Seitdem kann Condor die Zubringerflüge bei der Lufthansa nicht mehr zu Sonderkonditionen buchen.
Das Netz funktioniert laut Gerber mittlerweile. Man könne mittlerweile auch ohne die Lufthansa seine Langstreckenmaschinen gut füllen, sagte er.
