
Die Schlinge um die Commerzbank zieht sich zu. Das jetzt vorliegende Umtauschangebot des ungeliebten Großaktionärs Unicredit ist zwar unattraktiv und daher gewiss nicht das letzte Wort in dieser seit September 2024 tobenden Übernahmeschlacht. Aber die Commerzbank ist in der Defensive und wird es schwer haben, sich gegen eine entschlossen wirkende Unicredit mit dem gewieften Investmentbanker Andrea Orcel an der Vorstandsspitze zu wehren.
Der beste Schutz gegen eine Übernahme ist ein hoher Aktienkurs. Seit die Ampelregierung im September 2024 rund 4,5 Prozent an Unicredit zu einem Kurs von 13,20 Euro je Aktie verkaufte und damit der italienischen Bank den Einstieg als wesentlicher Aktionär erlaubte, hat sich der Kurs fast verdreifacht. Inzwischen kostet die Commerzbank an der Börse mehr als die Vermögenswerte, die sie in ihrer Bilanz aufführt. Dabei verdient die Bank aus Aktionärssicht nicht die Kapitalkosten. Treiber des Commerzbank-Kurses ist ganz wesentlich die Aussicht auf ein noch besseres Angebot durch Unicredit. Dafür erscheint es noch zu früh.
Commerzbank-Aktionäre sollten die nächsten Wochen aufmerksam sein. Schon an diesem Freitag wird der Commerzbank-Vorstand mit einer verschärften Strategie und neuen Renditezielen versuchen, den Aktienkurs noch weiter nach oben zu treiben. Die nächste Etappe ist dann die Hauptversammlung am 20. Mai. Dort könnte Unicredit mit seinem Anteil von derzeit knapp 30 Prozent wegen der geringen Anwesenheitsquote der Aktionäre von meist weniger als 60 Prozent eine Mehrheit haben. Nutzt die italienische Bank diese, um eigene Aufsichtsräte zu benennen und Gegenanträge zu stellen?
Die Hauptversammlung wäre auch eine Gelegenheit für die Bundesregierung, ihre Absichten zu erläutern. Sie ist mit zwölf Prozent noch zweitgrößter Aktionär der Commerzbank. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat auf dem F.A.Z.-Kongress im April schon durchblicken lassen, dass die Bundesregierung eine Übernahme der Commerzbank nicht wird verhindern können. Tatsächlich wirkten alle Bundesregierungen planlos im Umgang mit dem in der Finanzkrise zur Rettung der Commerzbank erworbenen Staatsanteils.
