
Konkret schloss das Pekinger Finanzministerium 46 amerikanische Unternehmen von chinesischen Regierungsaufträgen aus. Darunter sind vor allem viele amerikanische Rüstungsunternehmen. „Diese Unternehmen haben ohnehin kaum Geschäft in China“, sagt Cameron Johnson, auf Lieferketten spezialisierter amerikanischer Unternehmensberater in Shanghai. Nicht betroffen sind zudem Tochterunternehmen der US-Konzerne in China.
China will USA ausbremsen
Das Handelsministerium setzte gleichzeitig zehn weitere US-Unternehmen auf eine Exportkontrollliste, darunter den Motorenhersteller Aveox sowie MP Materials und USA Rare Earth. An beiden Unternehmen ist die US-Regierung beteiligt, sie spielen eine Schlüsselrolle für die amerikanische Aufholjagd bei Seltenen Erden. Chinesischen Exporteuren wird es mit der neuen Regel untersagt, Güter mit doppeltem Verwendungszweck an diese zehn Unternehmen zu liefern. Die Regel gilt dem Ministerium zufolge auch für Ausländer und ausländische Unternehmen, sofern diese aus China stammende Waren verschicken wollen. Güter mit doppeltem Verwendungszweck werden so bezeichnet, weil sie sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.
Die Beschränkungen bei Seltenen Erden würden „einige Herausforderungen“ verursachen, sagt Johnson, der auch Vorstandsmitglied der US-Handelskammer in Shanghai ist. „Aber viele Unternehmen unterlagen auch davor schon Beschränkungen oder sind davon ausgegangen, dass die kommen werden.“
Die USA und andere westliche Länder bemühen sich, die Abhängigkeit von Chinas Seltenen Erden zu reduzieren. Die Volksrepublik dominiert deren Förderung und Weiterverarbeitung, für einige Seltene Erden beträgt der Weltmarktanteil nahezu 100 Prozent. Für Permanentmagnete, die auf Seltenen Erden basieren und in vielen Hochtechnologieprodukten verbaut werden, liegt der Anteil laut der Internationalen Energieagentur nahe 95 Prozent. Die G7, die sieben wichtigsten demokratischen Industrieländer, hatten in der vergangenen Woche das Ziel ausgegeben, ihre Abhängigkeit von Chinas Seltenen Erden bis zum Ende des Jahrzehnts auf unter 60 Prozent zu senken.
Die US-Regierung hatte ihrerseits vor zwei Wochen chinesische Großkonzerne, denen Washington vorwirft, mit dem chinesischen Militär zusammenzuarbeiten, auf eine Liste gesetzt. Dazu zählten die Tech-Riesen Alibaba und Baidu, der größte Elektroautohersteller der Welt, BYD, sowie Unitree, ein aufstrebender Hersteller humanoider Roboter.
Die gegenseitigen Maßnahmen bedeuteten nicht, dass die USA und China wieder in eine konfrontativere Phase eintreten, sagte Johnson. China signalisiere, dass es auf jeden Schritt der USA mit ähnlichen Gegenmaßnahmen reagiere. „Das ist das Muster, das wir auch in Zukunft sehen werden.“ US-Präsident Donald Trump war Mitte Mai zu einem Staatsbesuch in Peking, Chinas Präsident Xi Jinping wird noch in diesem Jahr in den USA erwartet.
