
Ruhe als Gegenentwurf zur globalen Nervosität? Deutsche Anleger scheinen das, wozu viele Fachleute raten, zu beherzigen. Während an der Börse der Ölpreis nach dem Angriff der USA und Israel auf Iran je nach Verhandlungsstand mal hoch-, mal runtergeht, bleiben die meisten Anleger gelassen. Statt hektisch zu handeln, sitzen sie die geopolitischen Krisen einfach aus. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Direktbrokers Tradegate.direct. Demnach geben rund drei Viertel der Befragten an, dass geopolitische Krisen wie der Krieg in Iran ihr Anlageverhalten derzeit nur gering beeinflussen. Gleichzeitig bleibe das Vertrauen in den Aktienmarkt stabil, berichten 62 Prozent.
Besonders deutlich zeige sich dieses Verhalten im konkreten Handeln: 62 Prozent der Befragten verfolgten derzeit eine abwartende Strategie. Nur rund 18 Prozent versuchten indes gezielt Chancen zu nutzen, knapp zwölf Prozent reduzierten aktiv Risiken im Depot. Civey hat im Auftrag des Direktbrokers dafür zwischen dem 27. März 2026 und dem 12. April 2026 rund 2000 Personen in Deutschland befragt, die in Aktien, ETF (Exchange Traded Funds) oder Fonds investieren.
Anleger neigen zu etwas mehr Vorsicht
Auch auf Portfolioebene dominiert Stabilität. Rund 70 Prozent der Anleger haben laut der Umfrage aktuell keine Anpassungen vorgenommen. Gleichzeitig zeige sich eine leichte Verschiebung in Richtung Vorsicht. Ein Teil der Anleger erhöhe die Liquidität oder setze verstärkt auf defensive Anlageklassen.
„Für viele Anleger sind Krisen kein Schock mehr, sondern Teil eines bekannten Musters geopolitischer Spannungen“, erklärt Dennis Puschmann von Tradegate.direct: „Entsprechend reagieren sie weniger impulsiv und warten ab, ob daraus tatsächlich nachhaltige wirtschaftliche Effekte entstehen.“
Besonders aufschlussreich ist laut der Studie der Blick nach vorne. Für den Fall eines länger andauernden Konflikts würden fast 18 Prozent der Befragten ihren Aktienanteil erhöhen, aber nur knapp zehn Prozent diesen verringern. Damit gibt es fast doppelt so viele potentielle Käufer wie Verkäufer. „Auffällig ist, dass Krisen zunehmend auch als Chance interpretiert werden“, sagt Puschmann: „Während viele Anleger stabil bleiben, nutzen andere Rücksetzer gezielt für den Einstieg. Das spricht für ein wachsendes Vertrauen in die langfristige Entwicklung von Aktien.“
Consorsbank: Keine neuen Impulse
Der Einfluss der Berichtssaison auf den Dax bestätigt das bislang. „Die Berichtssaison hat dem Dax bislang keine neuen Impulse gebracht, war aber auch nicht schlecht genug, um Anleger wirklich zum Verkauf zu motivieren“, findet Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst Consorsbank. Am Dienstagabend erreichte die Saison in den USA ihren Höhepunkt. Gleich mehrere große Konzerne wie die zu den Glorreichen Sieben gehörenden Unternehmen Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta Platforms öffnen am Abend ihre Bilanzen, während die amerikanische Notenbank tagt. „Für Anleger Grund genug, etwas an Fahrt herauszunehmen und abzuwarten“, sagte der Fachmann im Vorfeld.
Hierzulande startete der Dax am Mittwoch etwas schwächer in den Handel. In Deutschland legten gleich sechs Dax-Konzerne Quartalszahlen vor. Trotz eines überzeugenden Jahresauftakts gerieten die Papiere der Deutschen Bank unter Druck und verloren am Vormittag knapp drei Prozent im Kurs.
Besser kam Mercedes-Benz an: Anleger honorierten, dass der Autobauer den Gewinnrückgang im ersten Quartal trotz der Schwäche in China geringer ausfallen ließ als befürchtet. Der Umsatz sank wegen rückläufiger Absatzzahlen um knapp fünf Prozent; an den Jahreszielen hielt das Unternehmen fest. Die Aktie der Stuttgarter legte um fast drei Prozent im Kurs zu.
Auch Adidas lieferte besser als erwartet ab und bestätigte den Jahresausblick. Der Umsatz wuchs um gut sieben Prozent. Der Aktienkurs sprang in ähnlicher Größenordnung nach oben und war mit einem Plus von rund sieben Prozent Dax-Spitzenreiter. Scout24 wiederum überzeugte mit starken Quartalszahlen, einem zuversichtlichen Ausblick und einem beschleunigten Aktienrückkaufprogramm. Der Kurs der Papiere des Internetportal-Betreibers stieg um rund fünf Prozent.
