Gut zwei Wochen nach massenhaften Grenzübertritten in die spanische Exklave Ceuta sind im Norden Marokkos fast 300 Migranten festgenommen worden. 294 Menschen, die meisten von ihnen Staatsangehörige von Ländern südlich der Sahara, seien nahe der Grenze zu Ceuta von marokkanischen Sicherheitskräften abgefangen worden, berichtete das Nachrichtenportal Le360.
Ein Behördenvertreter sprach von einer »Routinemaßnahme zur Verhinderung von Versuchen der irregulären Migration« in Richtung Ceuta. Die Migranten wurden auf einem bewaldeten Hügel oberhalb der Stadt Fnideq aufgegriffen. Vom Strand von Fnideq waren Ende Juli viele Migranten in Richtung Ceuta
aufgebrochen.
Bereits vor wenigen Tagen hatte das marokkanische Innenministerium mitgeteilt, man
habe eine Gruppe von Menschen festgenommen, die im Verdacht stünden, zu
neuen Grenzübertritten in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla angestiftet zu haben. In sozialen Medien kursierten Aufrufe zu gemeinsamen Massenüberquerungen am 15. August. Spanien traf Vorkehrungen, indem es die Militär- und Polizeipräsenz rund um Ceuta massiv verstärkte. Ein erneuter Massenandrang in die Exklave blieb am Samstag aus.
Organisationen gehen von über 100 Toten Ende Juli aus
Ende Juli waren nach Angaben der spanischen Regierung binnen kurzer Zeit zeitweise rund
80.000 Menschen nach Ceuta gelangt. Viele schwammen dorthin, andere überwanden Grenzzäune. 83 Menschen starben nach spanischen Behördenangaben beim Versuch, die Exklave zu erreichen. Nichtregierungsorganisationen schätzen die Zahl der Toten auf weit über hundert.
Die Mehrheit der Migranten ist laut der spanischen Regierung kurz nach ihrer Ankunft in Ceuta wieder nach Marokko zurückgekehrt – entweder freiwillig oder, weil sie vom Militär
zurückgedrängt wurden. Derzeit hielten sich noch rund 5.000 Migranten in Ceuta auf, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Er bekräftigte zuletzt erneut, dass die Massenankünfte Ende Juli ein »außergewöhnliches« Ereignis gewesen seien, das sich nicht wiederholen werde.
Die Geschehnisse lösten in der Europäischen Union
eine Debatte über die Migrationspolitik aus, Spaniens Regierung sah sich zeitweise erheblicher Kritik ausgesetzt.
