
Ein beispielloses Großaufgebot von Sicherheitskräften hat am Samstag einen zweiten Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta im Keim erstickt. Marokko und Spanien hatten Tausende Sicherheitskräfte mobilisiert, nachdem in sozialen Medien ein weiteres Mal dazu aufgerufen worden war, nach Ceuta zu strömen. Dieses Mal hielt Marokko Migranten mit mehreren Sicherheitsringen weiträumig fern, sodass viele offenbar gar nicht versuchten, einen weiteren Versuch zu starten. Bis ans Meer schaffte es am 15. August niemand.
Bei Razzien in den Bergen oberhalb des Grenzorts Fnideq griffen Polizisten fast 300 Migranten auf; 248 kamen aus Ländern südlich der Sahara, nur 46 aus Marokko, wie regierungsnahe marokkanische Onlineportale berichteten. Zudem wurden weitere 61 Personen festgenommen. Sie sollen in sozialen Netzwerken zur irregulären Migration „angestiftet und aufgerufen“ haben. Marokkanische Behörden forderten am Sonntag die spanischen Korrespondenten des Senders RTVE und der Nachrichtenagentur Efe ohne Angabe von Gründen auf, umgehend Fnideq zu verlassen. Sie hatten gerade über die Festnahme der afrikanischen Migranten berichtetet. Aus der spanischen Regierung hieß es, die Pressefreiheit müsse überall und jederzeit gelten. Laut Efe habe die marokkanische Polizei Tränengas eingesetzt, um Gruppen von Migranten in den Hügeln rund drei Kilometer vor der Grenze zu zerstreuen.
Spanien hat 1600 Polizisten vor Ort
Auf der spanischen Seite patrouillierte die Polizei in den Straßen von Ceuta. Die Regierung in Madrid hat eine Seebarriere errichtet und mehr als 500 zusätzliche Polizisten vom Festland verlegt. Damit stieg die Gesamtzahl der Einsatzkräfte in der Exklave auf über 1600.
„Wir werden weiterhin das nötige Personal einsetzen, um so schnell wie möglich die Normalität wiederherzustellen und zu verhindern, dass sich die Ereignisse vom 30. Juli wiederholen“, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Donnerstag. Migranten ohne Aufenthaltsrecht würden nach Marokko zurückgewiesen. Derzeit halten sich dem Minister zufolge noch etwa 5000 Migranten in Ceuta auf.
Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen auf beiden Seiten der Grenze folgen auf einen beispiellosen Ansturm vor zwei Wochen. Am 30. Juli waren mehr als 72.000 Migranten nach Ceuta geströmt, wobei ein Großteil die Exklave bis am Folgetag wieder verließ. Während des Ansturms der Migranten kamen nach offiziellen Angaben 91 Menschen ums Leben. Die Menschenrechtsgruppe AMDH geht hingegen von mindestens 141 Toten aus.
Marokko hatte bereits Anfang der Woche gewarnt, Organisatoren und Teilnehmer von neuen Massenübertritten strafrechtlich zu verfolgen. Dennoch umgingen Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge einige Migranten die Kontrollpunkte über Bergrouten.
