
48.300 Menschen, die irregulär in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gekommen sind, haben das Gebiet wieder Richtung Marokko verlassen. Das teilte das Innenministerium in Madrid am frühen Freitagabend mit.
Das würde bedeuten, dass fast alle der geschätzten 50.000 Menschen, die nach Regierungsangaben seit Donnerstagmorgen in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt waren, nicht mehr dort sind. Am Mittag hatte das Büro von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez mitgeteilt, dass 150 Menschen in der Minute Ceuta verließen.
Die Regionalregierung Ceutas hatte die Zahl der Ankömmlinge auf mehr als 60.000 geschätzt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Medienberichten zufolge hielten sich am Nachmittag weiter Tausende Migranten in der Exklave auf. Die meisten waren den offiziellen Angaben zufolge schwimmend angekommen.
Am Freitag wechselte an der Grenze der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta auf einmal die Richtung des Menschenstroms aus Marokko. Gruppen junger Marokkaner begannen, durch ein Loch im Zaun am Strand zu klettern, an dem die meisten von ihnen am Donnerstag schwimmend angekommen waren. Sie machten sich auf den Nachhauseweg. Gegen 18 Uhr hatte das Büro des spanischen Ministerpräsidenten gemeldet, dass mehr als 48.000 von 50.000 Migranten Ceuta wieder freiwillig verlassen hatten. „Fast alle, die eingereist sind, sind nach Marokko zurückgekehrt“, teilte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Abend mit.
Kein Trinkwasser
Niemand kümmerte sich in Ceuta um die jungen Marokkaner. Praktisch alle Läden, Bars und Restaurants hatten geschlossen. Nicht einmal Trinkwasser gab es an Tankstellen zu kaufen. Vergeblich versuchten sie, marokkanische Dirham in Euro zu tauschen. Die meisten von ihnen hatten die Nacht im Freien verbracht, weil das einzige Aufnahmelager schon seit Tagen überfüllt war.
Am Abend aber liefen immer noch zahlreiche Migranten durch die Straßen der spanischen Stadt mit knapp 84.000 Einwohnern. Schon bevor der Massenansturm begonnen hatte, waren mehr als 1200 Migranten nach Ceuta geschwommen. Junge Marokkaner sagten dem spanischen Sender RTVE, sie hätten in den sozialen Medien oder telefonisch von Bekannten gehört, dass die Grenze geöffnet sei und man ohne Einschränkungen in das Nachbarland einreisen könne.
57 Migranten ertranken auf dem Weg in die spanische Stadt
Am Freitag wurden die spanischen Sicherheitskräfte an der Grenze verstärkt, auch die Armee wurde dabei eingesetzt. Wie die Nachrichtenagentur Efe berichtete, verhinderten Polizisten und Soldaten die Landung von Dutzenden Migranten, die versuchten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Fast stündlich mussten die Rettungskräfte die Zahl der Ertrunkenen nach oben korrigieren. 57 Leichen fanden sie laut Presseberichten bis zum Freitagabend. Damit kamen in diesem Jahr schon 89 Migranten auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Im gesamten Vorjahr waren es 46.
Italien führte am Abend für Nicht-EU-Bürger, die per Flugzeug oder Schiff aus Spanien einreisen, wieder Grenzkontrollen ein. Angesichts der schockierenden Bilder aus Ceuta werde Italien „nicht tatenlos zusehen“, hatte zuvor die italienische Regierungschefin Georgia Meloni gesagt und eine Aussetzung des Schengen-Abkommens angekündigt. Der spanische Außenminister Albares entgegnete, die Integrität des Schengen-Raums sei gewährleistet: „Schluss mit dieser absichtlichen Verwirrung“, teilte er mit. Es sei gar nicht möglich, auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen. Niemand sei aus Ceuta auf das spanische Festland und damit in den Schengen-Raum gelangt.
