Mehr als 48.000 der Migranten, die seit Donnerstag in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt waren, sind nach Marokko zurückgekehrt. Das teilte das spanische Innenministerium mit. Laut der Regionalregierung von Ceuta hatten etwa 60.000 Menschen die Exklave erreicht. Spaniens Zentralregierung sprach von 50.000 Menschen.
»Nahezu alle, die in Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt«, bestätigte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Abend auf X. Hunderte weitere seien noch auf dem Rückweg. Experten der EU-Mitgliedstaaten planen für Samstag ein Treffen zur Lage. Für Montag ist nach Angaben der irischen EU-Ratspräsidentschaft eine Sitzung auf Botschafterebene angesetzt.
Auch in Melilla sind Grenzschützer im Einsatz
In der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla versuchten Migranten Berichten
zufolge ebenfalls, irregulär einzureisen. Rund 500 Menschen hätten am Freitagabend in Melilla versucht, die Grenze
von Marokko aus zu überqueren, berichtete der staatliche Fernsehsender
RTVE. Sicherheitskräfte seien im Einsatz gewesen. Zwei Stunden später, um 21 Uhr, habe es einen weiteren Versuch
gegeben, den Grenzzaun zu überwinden.
Mehrere Menschen schleuderten dem Bericht
zufolge Steine auf die Beamten, während Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Zunächst war unklar, ob
einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni
Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen.
Der spanische Außenminister verwehrte sich auch gegen Kritik anderer EU-Staaten nach mangelnder Grenzsicherung. Die Integrität des Schengen-Raums sei gewährleistet, sagte er. Es sei nicht möglich, von der Exklave Ceuta auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen. Albares kritisierte die »interessengeleitete Verwirrung« rund um die Krise. Italien hatte zuvor angekündigt, das Schengen-Abkommen zum freien Personenverkehr innerhalb der EU vorübergehend auszusetzen.
Regierung meldet 57 Tote
Nach Angaben der spanischen Regierung starben mindestens 57 Menschen beim Versuch, Ceuta zu zu erreichen. Viele Menschen sollen ertrunken sein. Zudem soll es eine Massenpanik gegeben haben.
Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur
18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. Die kleine Exklave hatte nach dem Andrang der Migranten die spanische Zentralregierung gebeten, den Notstand auszurufen. Tausende von Migranten, darunter unbegleitete Minderjährige, schliefen in Parks oder auf Bürgersteigen.
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