
Ungarn schaltet Kernkraftwerk Paks ab
Wegen eines historischen niedrigen Wasserstandes der Donau und damit einhergehenden Kühlwassermangels wird das ungarische Atomkraftwerk Paks komplett vom Netz genommen. Das bestätigte der Ministerpräsident Peter Magyar am Donnerstag. Zwar reiche die aktuelle Wassermenge zur Kühlung der Reaktorblöcke aus, stellte der Betreiber klar – trotz der extrem niedrigen Pegelstände und Durchflussraten. Aber die Ansaugpunkte der erforderlichen Pumpen lägen höher als der aktuelle und voraussichtlich weiter sinkende Wasserspiegel, sodass sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen könnten. Die Rede war von bis zu 72 Stunden. Der Leistungsausfall könne jedoch durch Importe gedeckt werden, zitierte ihn das Portal HVG. Paks liefert die Hälfte des Strombedarfs des kleinen mitteleuropäischen Landes.
Ungarn betreibt seit 1982 in der südungarischen Stadt Paks das von der damaligen Sowjetunion gelieferte Atomkraftwerk. Zwei der vier Blöcke sollen durch die beiden neuen Reaktoren aus der Fertigung von Rosatom ersetzt werden. Ursprünglich wurde mit einer Inbetriebnahme nicht vor Mitte der 2030er Jahre gerechnet. Über Ungarn hinaus treffen die niedrigen Wasserstände die Energieversorger und die Wirtschaft. Der Schiffsverkehr ist aufgrund des Niedrigwassers bereits eingeschränkt. Kreuzfahrten von Passau nach Wien enden vorzeitig.
Die Dürre belastet auch Wasserkraftbetreiber. Zugleich erschweren niedrige Pegel den Transport von Kohle, Öl oder Biomasse auf Binnenwasserstraßen. Trockenheit wirkt damit auf mehrere Teile des Energiesystems gleichzeitig. Sie senkt die Stromerzeugung aus Wasserkraft, verteuert die Ersatzbeschaffung am Markt und kann konventionelle Kraftwerke sowie Brennstofflogistik beeinträchtigen.
