Die Bundeswehr
will in den nächsten drei Jahren verstärkt Tiere und Tierversuche einsetzen, um
Soldaten für Notfälle auszubilden. Tierversuche gibt es bei der Bundeswehr seit
Jahrzehnten – etwa um Erkenntnisse zur Behandlung verletzter Soldatinnen und
Soldaten zu sammeln. In Zukunft erwartet das Bundesverteidigungsministerium
mehr Projekte, in denen Tiere verwendet oder getötet werden.
»Aufgrund der
hohen Komplexität der Fragestellungen und vor dem Hintergrund der veränderten
geopolitischen Lage ist bis zum Jahr 2029 mit einem Anstieg entsprechender
Forschungsvorhaben zu rechnen«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa aus einer Antwort auf eine
parlamentarische Anfrage der Linksfraktion. Die Rheinische Post hatte zuerst darüber berichtet.
Konkrete Zahlen bleiben unter Verschluss
Das Ministerium verwies darauf, dass die gesetzlichen Vorgaben zum Tierschutz bei den
Tierversuchen strikt eingehalten würden. Zudem würden Leitlinien verfolgt, die
darauf abzielen, Tierversuche zu ersetzen, weniger Versuchstiere zu verwenden
und bei ihnen Schmerzen und Stress zu minimieren. Konkrete Zahlen zu
Versuchstieren in den Jahren 2020 bis 2025, nach denen die Linkspartei gefragt
hatte, würden jedoch »im Hinblick auf das Staatswohl« als Verschlusssache gewertet, teilte das Ministerium demnach mit.
Nach früheren
Angaben des Ministeriums gab es 2019 knapp 400 Versuchstiere in Einrichtungen
der Bundeswehr, vor allem Ratten. Demnach erprobten Mediziner beispielsweise mithilfe von Mäusen Therapieansätze bei Hautverletzungen, sie untersuchten
Folgeschäden von Nierenverletzungen am Schwein und übten chirurgische Maßnahmen
an Mäusen, Ratten und Meerschweinen. In die Zahlen fallen auch Diensthunde, die
bei Lehrgängen zur Ersten Hilfe zum Einsatz kommen, sowie Esel und Maultiere in
Lehrgängen für Tierärzte.
In den
vergangenen Jahrzehnten wurden jährlich jeweils einige Hundert Versuchstiere
erfasst. Nach früheren Tierschutzberichten der Bundesregierung lagen die Zahlen
bis in die Neunzigerjahre deutlich über 1.000, Mitte der Achtziger waren es jeweils
mehrere Tausend Versuchstiere.
Die schwarz-rote
Bundesregierung hat angesichts internationaler Kriege und Konflikte ein
historisches Finanzpaket für die Bundeswehr geschnürt. Verteidigungsminister
Boris Pistorius (SPD) legte im April 2026 zudem erstmals eine umfassende
Militärstrategie vor, die einen Aufwuchs der Bundeswehr auf 460.000 Soldaten
vorsieht – mehr als doppelt so viele wie die derzeit rund 185.000 aktiven
Kräfte.
Keine Versuche »mit höherem Schweregrad« geplant
Die
Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken, Ina Latendorf, kritisierte, dass
das Ministerium mehr Tierversuchsprojekte erwartet. »Anstatt mehr Tierversuche
in der Bundeswehr bräuchte es einen konkreten gesamtgesellschaftlichen
Ausstiegsplan und ein sofortiges Verbot von schweren Tierversuchen«, sagte
Latendorf der Rheinischen Post.
Schwere Versuche
sind solche, bei denen Tiere starken Schmerzen, Leiden oder Ängsten ausgesetzt
sind. Das Ministerium schreibt: »Aktuell sind keine Tierversuche mit höherem
Schweregrad geplant.«
Vor allem in der
medizinischen Forschung werden Tiere immer noch häufig eingesetzt. Die meisten
werden für die Grundlagenforschung und angewandte Forschung genutzt, andere für
Qualitätskontrollen und Giftigkeitsprüfungen.
Insgesamt geht die Zahl der Versuchstiere in deutschen Jahren aber seit mehreren Jahren zurück. 2024 wurden laut einer offiziellen Statistik des Bundesinstituts für Risikobewertung rund 1,9 Millionen Tiere für Tests verwendet oder gar getötet.
