Es ist zehn Uhr morgens, an einem Dienstag im September 2028. Drohnen der Bundespolizei kreisen über der Stadt, im Schlosspark stauen sich die Übertragungswagen der Fernsehsender, Karlsruhe gleicht einer Festung. Auf diesen Tag fiebert die Republik seit Monaten hin.
Die schwere doppelflügelige Tür öffnet sich, heraus tritt ein Amtsmeister und ruft mit fester Stimme: »Das Bundesverfassungsgericht.« Dann erscheinen die fünf Richterinnen und drei Richter des Zweiten Senats in ihren roten Roben, angeführt von Vizepräsidentin Ann-Katrin Kaufhold. Seit Monaten stehen sie alle unter Polizeischutz, es hat Morddrohungen gegeben, ihre Privatadressen wurden ins Netz gestellt. Ihre Gesichter sind ernst. Dies ist das folgenreichste Urteil, das das Gericht je zu verkünden hatte.
