Auf beiden Seiten des Brennerpasses bereiten sich Behörden und Helfer auf ein mögliches Verkehrschaos vor. Demonstranten wollen mit einer mehrstündigen Blockade der Autobahn ein Zeichen gegen die Verkehrsflut im Alpenraum setzen. Gegen Mittag wollen sie sich bei Matrei auf der österreichischen Seite der Brenner-Autobahn zu einer Kundgebung treffen. Deshalb werden der gesamte Brenner-Korridor und alle Nebenstraßen für mindestens acht Stunden für den Transitverkehr gesperrt. Seit 9 Uhr gilt die Sperrung für Lastwagen, seit 11 Uhr für den Auto-Verkehr.
Wegen des erwarteten, erhöhten Verkehrsaufkommens hat der Südtiroler Zivilschutz seine Präsenz erhöht. »Die Brenner-Blockade ist in Kombination mit diesem Rückreisewochenende zweifelsohne ein Moment von Zivilschutzrelevanz«, sagte der Chef der Agentur für Bevölkerungsschutz, Klaus Unterweger, dem Sender Rai Südtirol. Die Aufmerksamkeitsstufe sei erhöht worden.
Auch deutsche Behörden und Einsatzkräfte stellen sich vorsorglich auf ein mögliches Verkehrschaos auch schon weit vor dem Brenner ein. So bereitete sich etwa das Bayerische Rote Kreuz auf Stau-Einsätze zwischen Rosenheim und der österreichischen Grenze vor. Helfer mit Motorrädern könnten im Notfall Menschen im Stau mit Wasser versorgen.
Die Polizei im Süden Bayerns hat ihr Personal ebenfalls aufgestockt. »Wir sind mit der größtmöglichen Stärke im Dienst«, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. »Unser Hauptziel ist, dass der Verkehr fließt und die Rettungsgasse freigehalten wird« – damit im Ernstfall schnelle Hilfe möglich sei. Es sei der größte Verkehrseinsatz seit Bestehen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.
Nach der Brenner-Blockade rechnet die Polizei mit deutlich mehr Verkehr
Die Polizei rät Reisenden, Tirol am heutigen Samstag möglichst weiträumig zu umfahren. Eine seriöse Einschätzung, wie sich die Verkehrslage tatsächlich entwickeln werde, sei aber nicht möglich. Am Vortag der Sperrung kam es zu keinen größeren Verkehrsbehinderungen auf dem Brenner. Auch in den Stunden vor der Sperrung blieb die Verkehrslage ruhig. Stau-Experten hatten damit gerechnet, dass viele Reisende versuchen würden, Tirol noch Samstagfrüh zu durchfahren, kurz bevor die Sperre in Kraft tritt.
Viele Reisende in Südtirol hatten ihren Urlaub angesichts der Sperre angepasst und waren entweder schon am Freitag abgereist oder planen die Abreise erst für die nächsten Tage. Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass das Verkehrsaufkommen an den Tagen nach der Blockade ebenfalls hoch sein wird. Autofahrer müssten auch dann mit deutlichen Verzögerungen rechnen, hieß es.
Die Demonstration geht vom Bürgermeister der Gemeinde Gries, Karl Mühlsteiger, aus. Mühlsteiger sagte, es gehe um ein unübersehbares Signal, dass die 15.000 Einwohner der Brenner-Region die seit Jahrzehnten steigende Verkehrsflut nicht mehr hinnehmen wollten. Die Menschen litten unter den Gesundheitsgefahren durch Lärm und Feinstaub. Keinesfalls dürften die bestehenden Fahrverbote für Lkw in der Nacht oder an Wochenenden und Feiertagen aufgeweicht werden. Außerdem fordert er den Bau moderner Lärmschutzwände.
