
Niko Kovač war tieftraurig und hocherfreut zugleich. Die Nachricht vom Tod seines Freundes Peter Hermann, der unter anderem sein Ko-Trainer in seiner Zeit als Cheftrainer des FC Bayern München war und der seit Langem an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS gelitten hatte, traf den Fußballlehrer von Borussia Dortmund zutiefst.
Kovač, der den uneigennützigen Spielerbessermacher schon als Profi von Bayer 04 Leverkusen zu schätzen wusste, kämpfte nach dem 1:0-Sieg seiner Mannschaft beim VfB Stuttgart mit den Tränen und sagte gegenüber dem Sender Sky: „Mir bleibt die Luft weg, ich bin tieftraurig, ein toller Mensch hat uns verlassen.“
„Ein Ausrufezeichen, auswärts beim VfB zu gewinnen“
Gleichzeitig war Kovač auch sehr froh über die Art und Weise, wie seine Mannschaft die knifflige Aufgabe beim VfB Stuttgart am Samstagnachmittag gelöst hatte. „Es ist ein Ausrufezeichen, auswärts beim VfB zu gewinnen“, sagte er über die konzentrierte Leistung seines Teams, das die Schwaben ihrer sonst oft spürbaren Spielfreude dank eines defensiv nahezu fehlerlosen und offensiv geradlinigen Auftritts beraubt hatte.
Der Siegtreffer des deutschen Nationalspielers Maximilian Beier (70. Minute), den der neue Bundestrainer Jürgen Klopp nicht in sein 44er-Aufgebot für die bevorstehenden Nations-League-Wochen berufen hat, freute den zwischen seinen Emotionen hin- und hergerissenen Cheftrainer des BVB ganz besonders.
Schließlich war der 23 Jahre alte Außenstürmer als einziger Spieler des qualitativ hochwertig besetzten Dortmunder Kaders nicht eingeladen worden, in den kommenden Tagen für sein Land aktiv zu sein. „Das Leben schreibt die schönsten Geschichten“, sagte Kovač über Beiers entscheidenden Beitrag zum vollen Erfolg am Samstag.
Auf der rechten Seite war der Engländer Jobe Bellingham davon gestürmt, Beier über links gefolgt. Er war dann im Zentrum genau im richtigen Moment vor seinem Gegenspieler angekommen, um den Ball ins Tor zu schieben. Eine sehenswerte Kooperation, die Kovač zum Anlass nahm, die in dieser Saison noch einmal verbesserte Qualität der notorisch zweitbesten Mannschaft der Bundesliga lobend zu erwähnen.
Zwei Punkte vor dem FC Bayern
Der BVB hat sich in den ersten vier Runden der Meisterschaft als einzige Mannschaft keine Blöße gegeben und führt bis zur Fortsetzung der Bundesligaspiele die Tabelle mit zwölf Punkten nach vier Spielen an – zwei Punkte vor dem FC Bayern. Es scheint zumindest möglich, dass die derzeit äußerst stabile Borussia nach drei Zu-Null-Erfolgen und einem glücklichen 3:2-Sieg bei der TSG Hoffenheim in dieser Saison ein Konkurrent auf Augenhöhe werden könnte.
Danach klang auch die Einschätzung des zentralen Abwehrchefs Waldemar Anton, der 2024 vom VfB zum BVB gewechselt ist und seitdem von den Stuttgarter Hardcorefans – Macht der schlechten Gewohnheit – ausgepfiffen wird.
Den robusten Innenverteidiger kümmerte es wie immer nicht. Beim Blick auf seine Mannschaft hob er lieber so viel hervor: „Wenn man das Spiel heute mit dem aus der letzten Saison hier (es ging 2:0 für Dortmund aus/d. Red.) vergleicht, haben wir deutlich kontrollierter gespielt, deutlich besser nach vorne, und wir haben sehr, sehr wenig zugelassen.“
Das sind Merkmale einer gefestigten Spitzenmannschaft, die sich defensiv mit den Münchenern messen kann. Zumal die neu dazugeholten Profis Joane Gadou, ein erst 19 Jahre alter Franzose ivorischer Herkunft in der Innenverteidigung, und der 27 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler Joey Veerman, der von der PSV Eindhoven kam, die Abwehrkraft des BVB, gepaart mit Aufbauqualitäten, verstärkt haben.
Dazu sind der gegen die Stuttgarter sehr wuchtige deutsche Nationalspieler Felix Nmecha sowie der eingewechselte Jobe Bellingham Achsenspieler in den oft spielentscheidenden Räumen zwischen Abwehr und Angriff. Die Stuttgarter, derzeit auch tabellarisch weit entfernt von ihren Ambitionen, hatten mit der Kompaktheit der Schwarz-Gelben am Samstag ihre Probleme und verloren deshalb den Kampf um die strategische Hoheit über dieses Duell.
Weil es an spektakulären Highlights in dieser Begegnung fehlte, konnte Borussia Dortmund mit Basistugenden glänzen, die sich die ganze Mannschaft bis hin zum diesmal torlosen Stoßstürmer Serhou Guirassy zu eigen gemacht hat. „Es ist kein Zufall, dass die Mannschaft schon letztes Jahr sehr wenige Gegentreffer gekriegt hat“, sagte der neue Sportdirektor Ole Book am Samstagabend, „jetzt wirken wir wieder sehr stabil.“
Stabil zu bleiben und eine ganze Ecke kreativer anzumuten als am Samstag, wird die nächste Aufgabe von Borussia Dortmund sein, um womöglich auch mal wieder die Bayern im Kampf um die Meisterschaft überraschen zu können.
