
Der bisher umfangreichste ukrainische Drohnenangriff auf Moskau in der Nacht auf Sonntag wirkt wie ein Kommentar Kiews zur Forderung Wladimir Putins an seine Untertanen, bei der sogenannten Parlamentswahl seine Kriegspolitik geschlossen zu bestätigen. Wenngleich der Kreml den Angriff auf die Ukraine als Verteidigungskampf um das Überleben Russlands darstellt, hat er bisher doch versucht, den Krieg aus dem Alltag der Russen fernzuhalten. Der Drohnenangriff auf Moskau zeigt, dass das umso schlechter gelingt, je länger der Krieg dauert.
Was wird Putin mit dem Wahlergebnis machen?
Für die Wahl spielt das keine Rolle. Sie war schon entschieden, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Russlands Staatsapparat hat reiche Erfahrung darin, mit Druck und Manipulation für das von Putin gewünschte Ergebnis zu sorgen. Die einzige politisch interessante Frage an dieser Scheinwahl ist, was Putin anschließend mit dem verkündeten Ergebnis macht. Gilt danach sein Wort noch, es werde keine weitere Mobilisierung geben? Oder nimmt er – ganz lupenreiner Demokrat – das Votum als Auftrag, die Kriegsanstrengungen zu verstärken?
Das Regime hat bisher so getan, als sei die Zeit in diesem Krieg auf seiner Seite. Die Frage ist, ob es angesichts von Krisenerscheinungen in der Wirtschaft und Indizien für eine wachsende Unzufriedenheit der Russen selbst daran glaubt. Gut denkbar, dass der Kreml versuchen wird, eine rasche Entscheidung zu erzwingen. Seinen Krieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung hat er in den vergangenen Wochen schon intensiviert.
