
Die Pläne des Bildungsdezernats, die Berta-Jourdan-Berufsschule in die frühere Zentrale der Deutschen Bahn im Gallusviertel zu verlagern, sind gescheitert. Wie berichtet, hat die Finanzmarktaufsichtsbehörde Bafin große Teile des Gebäudes gemietet, um 2028 mit 1000 Mitarbeitern dort einziehen zu können. Damit gibt es in der bisher leer stehenden Büroimmobilie nicht mehr genügend Platz für die größte Berufsschule der Stadt, an der vor allem Erzieherinnen ausgebildet werden und die an ihrem bisherigen Standort im Nordend seit Jahren unter Raummangel leidet.
Das Bildungsdezernat bedauert, dass sich die Umzugspläne nicht mehr realisieren lassen. Es sei dem „fehlenden Entscheidungswillen“ geschuldet, dass dieses Projekt nach drei Jahren harter Verhandlungsarbeit nun gescheitert sei, teilt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) mit „Entscheidungen dieser Größenordnung müssen wohlüberlegt sein; alle offenen Fragen müssen diskutiert werden. Aber dauert eine Entscheidungsfindung zu lange, führt das mitunter dazu, dass wichtige Vorhaben nicht umgesetzt werden können“, sagte die Dezernentin. Weber hätte der Berta-Jourdan-Schule gerne eine „gute und tragfähige Perspektive“ in der Stephensonstraße gegeben. Die Leidtragenden seien nun die Schüler und Lehrer.
Weber hatte versucht, das Gebäude für die Berufsschule zu mieten, konnte sich damit in der alten Römer-Koalition jedoch nicht durchsetzen. Die damaligen Koalitionspartner Volt und Grüne hatten ihre Zustimmung verweigert, weil sie die Wirtschaftlichkeit des Projekts bezweifelten. Die Mietkosten seien zu hoch, und das Verhältnis von gemieteter zu nutzbarer Fläche sei ungünstig. Kurz vor der Kommunalwahl hatten Volt und Grüne den Plänen eine endgültige Absage erteilt. Die Grünen hatten stattdessen einen Umzug der Schule in das frühere Postbank-Gebäude in Eckenheim vorgeschlagen, das die Stadt vor einigen Jahren erworben hat.
CDU hatte die Umzugspläne unterstützt
Gleichwohl war die Verlagerung in die Bahn-Zentrale nun wieder in den neuen Koalitionsvertrag aufgenommen worden, und zwar als Prüfauftrag. Die CDU-Fraktion, die zuvor in der Opposition war, hatte Webers Pläne unterstützt. Deren Vorsitzende Sara Steinhardt nennt den Vorgang „ärgerlich“: „Die Pläne waren weit gediehen, eine Lösung schien greifbar. Wir werden nun vor vollendete Tatsachen gestellt.“
Der Grünen-Fraktionschef Dimitrios Bakakis wirft Weber vor, sie habe zu lange an der Stephensonstraße festgehalten und keinen „Plan B“ entwickelt, trotz der Bedenken der Koalitionspartner. „Es wurde zu stark auf ein Pferd gesetzt. Man hätte von Anfang an Alternativen prüfen müssen.“ Bakakis ist zuversichtlich, dass schnell eine andere Lösung für die Berufsschule gefunden wird. Das Postbank-Areal stehe schon „seit Ewigkeiten“ leer. Außerdem gebe es viele weitere leer stehende Immobilien in Frankfurt.
Grit Winkler, bildungspolitische Sprecherin der Volt-Fraktion, kann Webers Aussage zum fehlenden Entscheidungswillen nicht nachvollziehen. Das Vorhaben sei von Beginn an viel zu groß geplant gewesen: „Man hat sich von Anfang an auf diesen Standort festgelegt.“
