
Vor dem Lokal „Oakberry Açaí“ an der Frankfurter Sandgasse stehen Jugendliche Schlange. Während die meisten darauf warten, ihre Bestellung aufgeben zu können, verlassen Kunden das Geschäft, dunkelviolette Becher in der Hand. Manche suchen sich in der Nähe einen Platz zum Sitzen, andere ziehen weiter durch die Innenstadt. Hinter der Theke schichten zwei Mitarbeiter Früchte, Müsli, Cremes und gefrorenes Açaí-Püree in transparente Becher. Das Geschäft profitiert von einem Trend, der längst über soziale Netzwerke hinausgewachsen ist.
Açaí-Bowls gehören seit einiger Zeit zu den bekanntesten Produkten der sogenannten Superfood-Küche. Grundlage ist die Açaí-Beere, die ursprünglich aus dem brasilianischen Amazonasgebiet stammt. Dort werde sie traditionell anders verzehrt als in Europa, erklärt eine Mitarbeiterin des „Oakberry Açaí“. Die Frucht werde in Brasilien geerntet und weiterverarbeitet. Während die Brasilianer sie oft mit herzhaften Speisen kombinierten, werde sie für die Bowls mit dem pflanzlichen Süßstoff Guaraná gesüßt und als Grundlage für verschiedene Kombinationen aus Früchten, Cremes und weiteren Zutaten verwendet.
Optisch erinnert die Bowl an eine Mischung aus Eis, Smoothie und Obstsalat. Kunden können zwischen verschiedenen Größen wählen und ihre Toppings selbst zusammenstellen. Das Angebot reicht von Bananen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Granola oder Chia-Pudding bis zu Erdnussbutter oder Kakao-Raspeln. Die Preise beginnen bei knapp zehn Euro und steigen je nach Größe und Zusammenstellung.
Die Mitarbeiterin beschreibt die Açaí-Bowl nicht als klassischen Snack. „Die Frucht enthält unter anderem Fettsäuren und Antioxidantien und wird von vielen Kunden eher als eine kleine Mahlzeit wahrgenommen“, sagt sie. Gleichzeitig passe das Produkt zu einem schnellen Lebensstil, da es sich unkompliziert unterwegs essen lasse.
Wer „Oakberry Açaí“ besucht, stellt schnell fest, dass die Hauptzielgruppe jung ist. Vor dem Geschäft warten überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. Nach Angaben einer Mitarbeiterin seien „vor allem Teenager und Menschen in ihren Zwanzigern Stammkunden“. Ältere Besucher kämen zwar ebenfalls, seien jedoch deutlich seltener vertreten.
Viele Kunden wissen bereits genau, was sie bestellen möchten. Die Mitarbeiterin berichtet, dass die meisten Besucher bewusst wegen Açaí kämen. Dennoch gebe es immer wieder Nachfragen von Kunden, die das Produkt noch nicht kennen. Besonders oft werde gefragt, welche Zutaten verwendet würden und wie gesund verschiedene Toppings seien.
Eine Kundin, die „Oakberry Açaí“ regelmäßig besucht, beschreibt die Bowl als „erfrischend und sättigend zugleich“. Sie eigne sich sowohl als Snack als auch als kleine Mahlzeit. Auf das Angebot aufmerksam geworden sei sie über die sozialen Netzwerke, vor allem Tiktok. Dort gehören Açaí-Bowls seit einiger Zeit zu den regelmäßig auftauchenden Food-Trends.
Auch die Mitarbeiterin des Geschäfts, die für den Service zuständig ist, sieht soziale Netzwerke als wichtigen Faktor für die Popularität des Produkts. Die Lage in der Innenstadt, die Nähe zu Schulen und die Präsenz auf Plattformen wie Tiktok hätten dazu beigetragen, dass Açaí-Bowls vor allem bei jüngeren Menschen bekannt geworden seien. Gleichzeitig betont sie, dass letztlich der Geschmack darüber entscheide, ob Kunden wiederkämen.
Der Erfolg des Konzepts spiegelt sich auch in der Entwicklung des Standorts wider. Das Frankfurter Geschäft existiert seit knapp zwei Jahren. Die Nachfrage sei in dieser Zeit gestiegen. Deshalb seien Abläufe angepasst und das Team erweitert worden. Warteschlangen ließen sich zeitweise dennoch nicht vermeiden. Die Kunden seien jedoch meist bereit, darauf zu warten.
Während andere Food-Trends oft nur für kurze Zeit Aufmerksamkeit erhalten, scheint sich die Açaí-Bowl mittlerweile dauerhaft etabliert zu haben. Anders als viele süße Trendprodukte wird sie offenbar häufig als Verbindung aus Genuss, Frische und bewusstem Konsum wahrgenommen. Für manche ist sie zwar nur ein Snack für zwischendurch, für andere aber ein Ersatz für eine Mahlzeit.
Der Andrang in der Frankfurter Innenstadt deutet darauf hin, dass das Interesse vorerst nicht nachlässt. Während neue Bestellungen über die Theke gehen, verlassen weitere Jugendliche das Geschäft mit ihren dunkelvioletten Bechern. Was einst als Spezialität aus dem brasilianischen Amazonasgebiet begann, gehört inzwischen auch in Frankfurt für viele zum Alltag.
